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Nach dem Beschluss des Arzneimittelkonzerns AstraZeneca, die Forschungsabteilung in Schweden zu schließen, sind die Reaktionen im Land stark. Ministerpräsident Reinfeldt und Oppositionsführer Löfven sprechen von einer ernsten Lage und viele Wissenschaftler sind besorgt. In einem Diskussionsbeitrag in der Tageszeitung Dagens Nyheter warnen Wissenschaftler davor, dass Schweden als Standort für medizinische Forschung trotz guter Voraussetzungen in die Bedeutungslosigkeit abgleitet.
„Die Situation ist sehr ernst. Dass 1.200 Forscher von AstraZeneca freigestellt werden, ist jawohl ein deutliches Alarmsignal“, meint Lena Claesson-Welsh, Professorin für medizinische Biochemie an der Universität Uppsala. „Das ist ein deutliches Zeichen dafür, das Schweden keine Plattform ist, wir bieten nicht das Umfeld, das für Spitzenforschung und die Entwicklung neuer Medikamente notwendig ist.“
Export erfolgreich - Forschung lahmt
In der Forschung fällt Schweden im Vergleich mit Ländern wie der Schweiz und den Niederlanden zurück, obwohl es bei der Ausfuhr von Medikamenten gut läuft. 2010 umfasste dieser Exportsektor umgerechnet über 7 Milliarden Euro (67 Mrd. SEK) – doppelt soviel wie noch zehn Jahre zuvor. AstraZeneca folgte in der Statistik des Schwedischen Handelsrates von 2009 Ericsson und Volvo auf Platz drei mit 5,5 Mrd. Euro. Pharmacia, heute Teil von Pfizer, besetzte mit 1,2 Mrd. Euro Platz 9.
Medikamente wie das Magenmittel Losec von AstraZeneca, einst eines der meist verkauften Medikamente weltweit oder das Wachstumshormon Genotropin von Pfizer bestimmen den Erfolg der Hersteller. Doch die aufwendige und schwierige Forschung und Entwicklung neuer Arzneimittel hinkt hierzulande.
„Wir haben es schwer, Forschung zu betreiben, wir publizieren nicht in den besten Zeitschriften und wir haben in den letzten Jahrzehnten auch nicht so viele Nobelpreise in Physiologie und Medizin verbuchen können. Unser Einfluss ist zurückgegangen.“
Lena Claesson-Welsh ist besorgt um den Standort Schweden. Der Sektor schrumpft. Zwischen 2005 und 2010 ist jede fünfte Stelle in Forschung und Entwicklung weggefallen. Heute, so zeigt eine Umfrage des Schwedischen Rundfunks, arbeiten noch etwa 4.000 Forscher an neuen Arzneimitteln. Die komplette Schließung der Forschungsabteilung von AstraZeneca, mit mehr als tausend betroffenen Medizinwissenschaftlern ist also ein derber Schlag für die Branche.
Wenig klinische Forschung
Eine weitere Problematik geht mit dem Personalschwund einher: Es wird weniger klinische Forschung betrieben, die für die Genehmigung neuer Medikamente notwendig ist. Anders Blanck, Vorsitzender der Branchenorganisation für forschende Arzneimittelunternehmen, LIF, sieht die Gefahr, dass die Forschung ganz aus Schweden verschwindet:
„Das Interesse für diesen Sektor ist ins Abseits geraten. Diese Art von Forschung bedingt eine intensiven Zusammenarbeit mit der Krankenpflege. Dort gibt es jedoch heute starken Druck, effektiv zu sein. In diesem Umfeld gibt es dann also nicht immer das Interesse, diese Art von Forschung zu betreiben. Verschwinden die Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit, verschwindet auch diese Art der Forschung.“
In ihrem Diskussionsbeitrag fordern die Wissenschaftler um Professorin Claesson-Welsh ein Umdenken in der Politik. Wissenschaftliche Projekte sollten von der Forschung ausgehen und nicht von politischen Interessen gesteuert werden.
„Wir werden gezwungen, unsere Forschung dem anzupassen, was der Politik passt und was gerade als tagesaktuelles Problem aufgefasst wird. Das können wir nicht gebrauchen, um die Forschung zu veredeln und so voranzutreiben, das neue Medikamente entstehen, welches Jahrzehnte dauern kann“, so Claesson-Welsh. „Traditionell war es immer schon so, dass nützliche Entwicklungen von den Wissenschaftlern selbst durch ihre eigene Forschungsarbeit angetrieben wurden. Entdeckungen, die zum Nobelpreis führen, sind nicht Resultat politischen Willens, sondern sie entstammen Experimenten, die wir durchführen.“
(Quelle: Radio Schweden)
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