|
Jeweils zwei von drei Einwanderern, die in der Hoffnung auf einen besseren Job eine weniger qualifizierte Tätigkeit aufnehmen, bleiben im Niedriglohnsektor hängen. Das zeigt eine Untersuchung der Akademikergewerkschaft für Juristen und Wirtschaftswissenschaftler, Jusek. Demnach ist es für Einwanderer nach wie vor schwer, ihre Ausbildungen und Qualifikationen aus dem Ausland in Schweden anerkannt zu bekommen.
„Nicht auf den perfekten Job warten" Lieber ein weniger anspruchsvoller Job als überhaupt keiner. Das betont der Vorsitzende der Akademikergewerkschaft Jusek, Göran Arrius, gegenüber Sveriges Radio International, insbesondere im Hinblick auf eine gelungene Integration.
„Wir finden nicht, dass man warten sollte. Das wichtigste ist jedoch, dass jeder die Information bekommt, die er oder sie braucht, um langfristig eine angemessene Arbeit aufnehmen zu können, für die man im Heimatland ausgebildet ist."
Jusek rät den ausländischen Akademikern, in der schwedischen Sprache so schnell wie möglich sattelfest zu werden. Das gilt auch für die Fachsprache. Gleichzeitig wäre es wünschenswert, dass ausländische Hochschulabschlüsse und Weiterbildungen zügiger bewertet und entsprechend angerechnet werden, so Jusek-Vorsitzender Arrius. Warum trotz drohendem Arbeitskräftemangel mutwillig viel Kompetenz links liegen gelassen wird, ist für Arrius unverständlich.
„Wir brauchen einen Wechsel. Anstatt den Menschen vorzuschreiben, was sie machen sollen, erreichen wir mehr mit der Frage danach, was jemand machen möchte. Damit rührt man an die starke innere Kraft, die in jedem steckt."
Einstellung gegenüber Einwanderern ändern
Jasenko Selimovic, Staatssekretär im Integrationsministerium, teilt die Ansicht, dass jegliche Warterei auf den perfekten Job den Schritt auf den Arbeitsmarkt nicht nur unnötig verzögert, sondern im schlimmsten Fall unmöglich macht. Einmal angehäuftes Wissen stagniert und verfällt. Die Chancen auf einen qualifizierten Job nehmen entsprechend ab.
„Neben der Integration ist es aber auch wichtig, dass die Gesellschaft zu sozialer Mobilität ermuntert, so dass Menschen gehalts- und karrieremäßig vorankommen. Gegenüber Einwanderern bestand lange die Einstellung, dass sie ja nur für einen gewissen Zeitraum in Schweden sind. Die Einstellung müssen wir ändern, denn diese Menschen sind ein Teil Schwedens und bleiben in vielen Fällen bis an ihr Lebensende hier. Schon das Wort Einwanderer für Menschen, die hier seit 20 Jahren leben, ist ein sprachlicher Ausdruck für die verbreitete Einstellung gegenüber Einwanderern."
Viele ausländische Arbeitssuchende stolpern schon bei der Bewerbung über ihren Nachnamen. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass Bewerber mit ausländisch klingenden Namen schneller aussortiert werden als solche mit vertrautem Klang. Dabei kann es sich Schweden nicht leisten, auf diese Arbeitskraft zu verzichten, erklärt die Generaldirektorin der Arbeitsämter, Angeles Bermudez-Svankvist.
„Wenn sich die Arbeitgeber nicht schleunigst auf einen Generationswechsel vorbereiten, begünstigt der Arbeitskräftemangel die Inflation und dass die Löhne unverhältnismäßig in die Höhe schießen. Die Wirtschaft muss ein Auge auf die neuen Demokratien haben, die überall entstehen - und mit ihnen neue Märkte. Wer jetzt kompetente Mitarbeiter aus anderen Kulturen anstellt, kann sich später leichter auf einem neuen Markt etablieren, weil man das entsprechende Wissen schon im Unternehmen hat."
Wer Erfolg haben will, sollte sich der Akademikergewerkschaft Jusek zufolge bei professionellen Netzwerken einhaken, um dort wertvolle Tipps zu bekommen und über Empfehlungen weiterzukommen. Von der Kraft der Netzwerke macht auch die Stadt Linköping regen Gebrauch. Sie wurde für ihre Anstrengungen erst kürzlich von der Organisation für Unternehmer mit Migrationshintergrund, IFS, ausgezeichnet. Unternehmertreffen, zuständige Mitarbeiter in der Gemeinde und eine funktionierende Zusammenarbeit in der Region sind wichtiger Bestandteil der Arbeit, so Bürgermeisterin Ann-Cathrine Hjerdt.
„Wir sind über einen langen Zeitraum sehr systematisch vorgegangen. Natürlich brauchen wir Plattformen, auf denen sich Einwanderer treffen und austauschen können. Wir haben in gewisser Weise dazu beigetragen, verschiedene Netzwerke zu schaffen."
(Quelle: Radio Schweden)
|