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Wenn die Abende wieder dunkler werden, bricht die Kinozeit an, und das Schwedische Filminstitut prĂ€sentiert die Produktionen fĂŒr den Filmherbst. ErwartungsgemÀà handelt es sich bei den 18 neuen Filmen nicht um bombastische Streifen Ă la Hollywood sondern um eher bescheidene und teilweise sehr âschwedischeâ Werke. Von Kinderfilm bis zur Klamotte ist so ziemlich jedes Gattung vertreten. Schon jetzt ist bekannt, dass einige Filme auch das deutsche Kinopublikum erreichen werden.
âHimlen Ă€r oskyldigt blĂ„â (Der Himmel ist unschuldig blau) in den Stockholmer SchĂ€ren Sommer 1975:
Der 19-jĂ€hrige Martin, gespielt von Bill SkarsgĂ„rd, jobbt im Seglerhafen Sandhamn. Als der erfahrene Restaurantchef und Playboy Gösta ihn unter die Fittiche nimmt, wird Martin plötzlich in einen der gröĂten Skandale der schwedischen Kriminalgeschichte verwickelt. Regisseur Hannes Holm beschreibt die Story mit Anleihen in der schwedischen PopulĂ€rliteratur: âDer Film ist als ob âSpĂŒr die Angstâ in die Siebzigerjahre verlegt wĂŒrde. Drogenszene und Unterwelt wie in den Siebzigern. Alles ist noch sehr niedlich und idyllisch. Der Film handelt davon, wie dieses Idyll zerbricht.â
Holm wechselt mit âDer Himmel ist unschuldig blauâ das Genre. Bisher hat er Komödien gedreht, viele davon zusammen mit MĂ„ns âMĂ€nner im Wasserâ Herngren. Aber dabei gingen wichtige Inhalte oft in der allgemeiner Albernheit unter, Hannes Holm wollte etwas Neues ausprobieren, sagt er: âIch glaube, ich möchte am liebsten ein neues schwedisches Filmgenre erfinden, nĂ€mlich schwere Themen sowohl mit Ernst als auch mit leichter Hand schildern. Wir Schweden können das oft nicht richtig, finde ich. Ich auch nicht. Das hier soll der erste Versuch sein.â
Die Filmbranche eines kleinen Landes wie Schweden ist - klein. Wir werden sicherlich noch mehr humorvolle Streifen ĂŒber dĂŒstere Themen von Hannes Holm zu sehen bekommen. Seinen Hauptdarsteller Bill SkarsgĂ„rd â ĂŒbrigens einer der Söhne von Hollywoodschauspieler Stellan SkarsgĂ„rd â kann der geneigte Kinobesucher schon in diesem Herbst in einer anderen Hauptrolle wieder sehen: Als Simon in âI rymden finns inga kĂ€nslorâ (Im Weltraum gibt es keine GefĂŒhle). Simon hat das Aspberger-Syndrom und mag keine VerĂ€nderungen. Er wohnt bei seinem Ă€lteren Bruder Sam und dessen Freundin Frida. Simons Kontakt- und Kommunikationsverhalten ist âmerkwĂŒrdigâ, so dass es nicht mal auf dem stillen Ărtchen so richtig still wird:
SchlieĂlich bekommt Frida genug und verlĂ€sst die beiden. Simon beschlieĂt, eine neue Freundin fĂŒr seinen Bruder Sam zu suchen.
Martin Wallström spielt Sam in dieser romantischen Komödie, die Rolle des groĂen Bruders war fĂŒr ihn naheliegend, erzĂ€hlt er: âUm die Aspberger-Frage habe ich mich gar nicht so gekĂŒmmert. Aber ich bin ein echter groĂer Bruder. Ich habe zwei BrĂŒder, die wesentlich jĂŒnger sind als ich. Ich habe vieles wiedererkannt. Simon ist wie ein SiebenjĂ€hriger und dann wieder viel begabter als wir anderen.â
Offenbar sind mehrere schwedische Filmemacher auf der Suche nach einer neuen Filmgattung. âSound of Noiseâ zum Beispiel ist bereits beim Filmfestival in Cannes erfolgreich gezeigt worden. Ein paar exzentrische Schlagzeuger begehen âMusik-TerroranschlĂ€geâ auf Strassen, in KrankenhĂ€usern und Banken. Bengt Nilsson spielt den Polizisten Amadeus Warnebring, dessen Jagd auf die Drummer bald in eine persönliche Vendetta ausartet. âAm besten charakterisiert man die Mischung wohl als Drama-Komödien-Krimi-Musical. Allerdings ohne Gesang und Tanzâ, versucht er sich an einer Artenbestimmung.
UngefĂ€hr ein Drittel der Produktionen, die das Schwedische Filminstitut fĂŒr den Herbst vorstellt, sind von Frauen gedreht. Den wohl gröĂten Namen von ihnen â wenn auch als Schauspielerin - hat Pernilla August.
âSvinalĂ€ngornaâ, ihr DebĂŒt als Regisseurin, ist die Verfilmung des in Schweden und Finnland sehr erfolgreichen gleichnamigen Erstlingsromans von Susanna Alakoski. In Deutschland lĂ€uft der Film Anfang November an. Er schildert das Leben finnischer Einwanderer in Ystad in den Sechziger- und Siebzigerjahren. SvinalĂ€ngorna (SchweinestĂ€lle) wurde das Wohngebiet von den zustĂ€ndigen Sozialarbeitern, genannt. Die dĂŒstere Geschichte erzĂ€hlt mit Humor und ohne Bitterkeit wie Leena, dargestellt von Noomi Rapace, dort mit ihren Eltern und BrĂŒdern einzieht.
Zwei Trickfilme sind im Herbstrepertoire zu finden. âVem?â (Wer?) ist fĂŒr die allerjĂŒngsten Kinobesucher gedacht.
Regisseurin Jessica LaurĂ©n bedauert die untergeordnete Rolle des schwedischen Kinderfilms: âIch finde, dass nicht so viele gute Kinderfilme in Schweden gedreht werden. Alles ist so zurechtgelegt. Man beschrĂ€nkt sich viel auf Neuauflagen vorhandenen Materials. Da werden BĂŒcher aus den Siebzigerjahren wiedergekĂ€ut. Ein bisschen mehr Mut und Experimentierfreude wĂ€ren sehr erquickend, finde ich.â
(Quelle: Radio Schweden)
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