Es war einmal ...
Versteckt und nur unweit von Växjö, der Hauptstadt des Glasreiches, steht ein Kleinod. Um dahin zu gelangen, geht es erstmal an der Ruine Bergkvara vorbei. Um letztendlich das gleichnamigen Landgut zu erreichen, muss man über ein paar Holzbrücken und entlang des bewaldeten Flusses Helge Å fahren. Bei der Einfahrt auf das Anwesen Bergkvara verwirren einen zwar die vielen Wirtschaftsgebäude und Stallungen, aber bevor die Pferdeweiden
beginnen, steht man schon vor dem Haus der „Svenska Tanten“. Es hätte mit Sicherheit auch dem Romantikmaler Carl Larsson gefallen.
Typisch schwedisch ist dieses ziegelrot gestrichene Holzhaus mit seinen weißen Dachfirsten und Sprossenfenstern. Über dessen Eingangstür hängt ein großes Schild mit einem Foto einer älteren Dame im Regenmantel, zeitlosen Hut und Handtasche am Arm. Sie lächelt fast wie die britische Queen auf einen herab als würde sie sagen: Tritt herein – hier ist der
Sonnenschein. Nach einem kurzen Blick nach rechts in die Kaffeeküche, steht man auch schon in der Konditorei, wo die Zeit offenbar stehen geblieben ist. Blechdosen und Bonbon-gläser auf den Regalen. Selbstgebackene Kuchen, Kekse und Plätzchen in allen möglichen Farben in der obligatorischen Vitrine. Lollies und Lutscher für die Kleinen auf dem Tresen. Eine alte Kassa und eine moderne Espressomaschine deuten aber letztlich doch darauf hin, dass man hier auch etwas bestellen kann; aber auch für die Bedienung scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Und das nicht nur wegen ihrer Garderobe aus längst vergangenen
Jahren…ergo gestärkte Rüschen an der Schürze!
Bei schönem Wetter draußen in einem Heckenlabyrinth oder aber auch drinnen in der guten Stube nimmt man dann die Leckereien ein. Dass das ganze Interieur bis hin zum Kachelofen aus dem vorletzten Jahrhundert stammt, überrascht nun nicht mehr weiter.
Wer das alles initiiert hat? Das war die Künstlerin Susanna Arwin. Sie hatte die „Svenska Tante“ vor Urzeiten persönlich kennen gelernt, fotografiert und dementsprechend – wenn man so will - vermarktet. Übrigens, diese ältere Dame wurde sogar in diesem Haus geboren. Kerstin
Karlsson war von Beruf Mutter und Hausfrau, und mit zunehmendem Alter organisierte sie
regelmäßig Kaffeekränzchen. Das Foto zeigt sie als 82-Jährige. Sie wurde Schwedens
„Vorzeige-Tante“.
Im oberen Stockwerk gibt es dann auch noch wechselnde Kunstausstellungen sowie das
Atelier von Susanna Arwin. Urig die alten Dielen, die sich dort oben biegen, aber sicher nicht
brechen wollen. Die rohen Holzwände und stützenden Dachbalken sind weiß gekalkt. Im
Gegensatz zu unten ist es oben eher sachlich und modern, aber dadurch bleiben Neugierde und Kurzweil. Dass Susanna mit Glas arbeitet, war zu erwarten. Wir sind ja schließlich im
Glasriket. Aber sie knüpft auch Teppiche, formt Skulpturen aus Bronze und hantiert mit Pinsel und Acrylfarben auf selbst angefertigten Leinwänden. Selbst für Leute, die im Glasreich schon so einiges gesehen haben, ist die „Hand im Glas“ ein besonderer Blickfang. Dass dafür ein besonderes Verfahren notwendig ist, wofür es seit 2004 eine patentierte Gießtechnik gibt, sei hiermit nur am Rande erwähnt.
Bei dieser enormen Präsenz der „Svenska“-Tante hat es letztlich nicht gewundert, sie auf dem Universitäts-Campus von Växjö (in Originalhöhe von 1,67m) in Bronze gegossen und fest
Verankert, wieder zu finden. Womit mal wieder ein Stück schwedischer, volksnaher
Geschichte einzementiert wurde.
www.densvenskatanten.se