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Am Stockholmer Stadttheater probt das Ensemble am ersten Drama der dänischen Erfolgsautorin Hanne-Vibeke Holst. Das Stück ist vom Leben der mutigen russischen Journalistin Anna Politkowskaja inspiriert.
„Nina Krasnowa, bitte nehmen Sie Platz.“ Mit diesen höflichen Worten zwingt ein fiktiver tschetschenischer Präsident eine verängstigte Frau mit verbundenen Augen handgreiflich auf einen Stuhl. „Ich bedaure die Behandlung, die ihnen widerfahren ist wirklich“, fährt Schauspieler Francisco Sobrado mit unbehaglich samtweicher Stimme fort. Gleichzeitig macht er mit dem Handy eine Nahaufnahme von seiner Gefangenen.
Faszinierende Idealistin Nina Krasnowa wird in dem Drama „Moskau, 7. Oktober“ von der schwedischen Schauspielerin Katharina Ewerlöf dargestellt. Der Charakter ist von der couragierten russischen Journalistin und Menschenrechtskämpferin Anna Politkowskaja inspiriert, die am 7. Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses ermordet wurde.
Schriftstellerin Hanne-Wibeke Holst ist von Idealisten wie Politkowskaja, die bereit sind, alles zu opfern, fasziniert: „Menschen, die sich wirklich für eine Sache einsetzen und Verantwortung übernehmen, faszinieren mich. Ich bewundere sie, aber sie beunruhigen mich natürlich auch. Wie alle anderen habe ich nach ihren Schwächen gesucht und gedacht, ‚die sind bestimmt sehr eitel’. Oder: ‚Sie sind besessen’. Oder: „Die sind ja wahnsinnig’. Wir haben eine Tendenz, nach einer Entschuldigung zu suchen, warum wir selber nicht genauso idealistisch sind.“
Holst hat schon öfter über Macht in der Politik und Gewalt geschrieben. Zum Beispiel in ihren Romanen „Der perfekte Plan“ und „Seine Frau“. Der eine über eine Spitzenpolitikerin, die versucht ihrer Alzheimer-Krankheit die Stange zu halten, der andere über die Frau eines Spitzenpolitikers, die immer wieder seinen brutalen Ausbrüchen ausgesetzt ist.
Gewalt ist auch in „Moskau, 7. Oktober“ ein zentrales Thema: „Antworten Sie, zum Teufel!“ Der tschetschenische Präsident setzt Nina Krasnowa buchstäblich das Messer an die Kehle. „Schreiben Sie den Artikel oder soll ich ihre Kinder kaltmachen lassen?“
Anna Politkowskaja war für ihr Engagement gegen den Tschetschenien-Krieg und ihren Kampf für die Menschenrechte bekannt. Mit der Veröffentlichung ihres Buchs „Tschetschenien – Die Wahrheit über den Krieg“ lenkte sie 2003 die Aufmerksamkeit auf die alltägliche Gewalt und den Terror dieses Krieges. Ihre Darstellung unterschied sich deutlich von der offiziellen russischen Berichterstattung. Schließlich wurde Politkowskaja offenbar zu unbequem. Die Umstände des Mordes an Anna Politkowskaja sind nicht völlig geklärt. Ameise kratzt den Kreml nicht Vieles deutet darauf hin, dass die Tat von hochrangigen russischen Machthabern in Auftrag gegeben worden war.
Aber Hanne-Wiebeke Holst befürchtet trotz ihres engagierten neuen Dramas keine Repressalien des Kremls: „Nein, ich glaube, dass dem Kreml eine kleine Ameise aus Dänemark, wie ich, völlig egal ist. Ich stelle keine Gefahr für den Kreml dar. Aber Politkowskaja war eine Bedrohung und deswegen wurde sie aus dem Weg geräumt.“
(Quelle: Radio Schweden)
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