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Das Leben kann so einfach sein: Alle Zutaten für das Essen einer ganzen Woche nach Rezept zusammengestellt und fertig gepackt in der Einkaufstüte direkt vor die Tür geliefert; nur noch Kochen muss der Kunde selbst. Dieses Konzept kommt bei Schweden in den letzten Jahren besonders gut an und ist ein Erfolgsschlager im Internetgeschäft. Firmen wie Middagsfrid (deutsch: „Abendessen-Frieden“) oder Lina’s Matkasse („Lina’s Lebensmitteltüte“), die den Alltag im Haushalt mit der so genannten „Matkasse“ leichter machen wollen, wachsen schnell und expandieren auch ins Ausland.
„Wenn die Einkaufstüte kommt, dann mach ich manchmal sogar ein Foto davon. Die ist bis hier oben voll mit Lebensmitteln, dann gucken die frischen Kräuter oben raus. Das sieht schön aus. Dann fange ich an auszupacken und kann abhaken, biologisch, regional – das ist beinahe der Höhepunkt in der Woche, wenn die Tüte kommt.“
Emelie Persson-Lindqvist zeigt mit strahlenden Augen ihre abonnierte Einkaufstüte. Die Lebensmittel für vier Personen und Gerichte werden jeden Sonntag direkt vor der Wohnungstür ihrer Familie im Stockholmer Stadtteil Enskede abgestellt. Die 30-Jährige Emelie ist Mutter von drei Kindern und arbeitet von zu Hause aus, ihr Mann ist voll berufstätig. Schon vor über einem Jahr hat sie sich für die „Matkasse“ entschieden. Seitdem bestimmen die Versuchsköche ihres Lieferanten „Ecoviva“, was unter der Woche auf den Tisch kommt.
„Ich empfehle es allen meinen Freunden. Es ist nicht nur so, dass ich gutes Essen bekomme, nicht mehr einkaufen, nicht mehr denken muss. Es ist auch gut für meine Beziehung, denn ich fühle mich nicht mehr so wie die Frau am Herd.“
Gleichberechtigung wird in Schweden groß geschrieben, viele Frauen mit Kindern gehen wie ihre Männer arbeiten und es fehlt an der Zeit, sich rund um die Uhr um den Haushalt zu kümmern. Da kommt der Einkaufstüten-Service gerade recht. Wie bei Ikea-Möbeln, kommen alle für die vorgegebene Anzahl Gerichte benötigten Zutaten samt Kochanleitung in einer Lieferung.
Für Emelie ist das Abonnement eine Erleichterung für den Alltag. Sie legt wert darauf, dass ihre Lebensmittel biologisch sind und dass Fleisch und Gemüse aus der Umgebung stammen. Statt wie bisher zweimal täglich einkaufen zu gehen, geht die Familie jetzt einmal am Wochenende gemeinsam ins Lebensmittelgeschäft um Grundzutaten wie Butter oder Milch, die nicht mitgeliefert werden, und für das Frühstück einzukaufen. Und das Abendessen, so garantieren es die meisten Anbieter, ist in einer halben Stunde fertig zubereitet.
Umkämpfter Wachstumsmarkt
In Schweden gibt es über 30 spezialisierte Anbieter für fertig gepackte Lebensmittel. Mittlerweile bekommen diese Konkurrenz von großen Supermarktketten wie Ica oder Coop. Der Markt ist attraktiv. Das Vorreiter-Unternehmen „Lina’s Matkasse“ hatte im letzten Jahr 25.000 Kunden und einen Umsatz von umgerechnet knapp 20 Millionen Euro (173 Mio. SEK). Seit April haben sich Risikokapitalgesellschaften an dem Geschäft beteiligt und hoffen auf weiteres Wachstum. Große Ambitionen hat auch „Middagsfrid“. Das Unternehmen hat neben Schweden auch bereits in Deutschland Fuß gefasst und ist unter dem Namen „KommtEssen“ mit Packstationen in Großstädten wie Hamburg oder Berlin vertreten. Das Modell ist auch hier das gleiche, sogar die Rezepte sind meist die gleichen wie in Schweden.
Die meisten Anbieter liefern Zutaten für drei bis fünf Mahlzeiten für meist vier Personen pro Woche. Die Kosten für die „Matkasse“ liegen zwischen umgerechnet 65 Euro und 100 Euro; durchschnittlich pro Gericht umgerechnet etwa 5 Euro.
Das ist teurer, als die Lebensmittel im Supermarkt selbst zu kaufen, doch für Emelie und ihre Familie ist es dennoch günstiger, da sie weniger Impulskäufe tätigt und weniger wegwirft. Außerdem, so sagt Emelie, hat die Einkaufstüte Vielfalt in ihre Küche gebracht.
„Wir haben beinahe darunter gelitten, dass es fast jeden Tag Würstchen gab.“
„Die Kinder essen ja nur eklige Fertig-Frikadellen, Würstchen, Makkaroni und Nudeln, sonst nichts. Wir haben das auch für die Kinder gekocht und beinahe darunter gelitten, dass es fast jeden Tag Würstchen gab.“
Statt Würstchen und Köttbullar gibt es jetzt griechische Hamburger mit Ofenkartoffeln oder Hähnchenwraps mit Avokadocreme und Bohnensalat. Für Vegetarier ist die „Matkasse“ übrigens nichts, zwar gibt es bei den meisten Anbietern ein vegetarisches Gericht pro Woche, aber die fleischlose Tüte sucht man vergebens.
(Quelle: Radio Schweden)
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