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Vor hundert Jahren ist das erste Buch in samischer Sprache erschienen: Johan Turis "Erzählung vom Leben der Samen". "Muitalus sámiid birra", so der Titel auf samisch, gilt heute als Klassiker und Standardwerk der samischen Literatur. Denn Turi war der erste, der das Leben der Samen aus samischer Perspektive und in der eigenen Sprache schilderte. Eine samische Schriftsprache existierte vorher nicht. Turi hatte sich das Lesen und Schreiben selbst beigebracht. Dies ist dem Werk anzumerken, wie die Künstlerin Maj Lis Skaltje im Schwedischen Rundfunk bemerkt: „Johan Turi benutzte keine Kommata, keine Punkte und auch nicht die Groß- und Kleinschreibung. Er schrieb in einem Fluss. Ungefähr so, wie wir sprechen.“
Johan Turi wurde 1854 in Kautokeino in Norwegen geboren. Er war Nomade, Jäger, Heiler, aber auch Geschichtenerzähler, Dichter und Künstler. Das Leben des Nomadenvolks in Nordskandinavien war hart. Als die Nationalstaaten ihre Grenzen schlossen, konnten die Samen nicht mehr mit ihren Rentierherden frei umherziehen. Der schwedische Staat siedelte viele Samen um und zwang sie zu einem sesshaften Leben. Turi begann zu schreiben, weil er die offiziellen Stellen über das Leben der Samen aufklären wollte. Maj Lis Skaltje meint: „Turi war vielleicht etwas naiv, er dachte, wenn die Behörden nur wissen, wie die Samen leben, werden sie klüger entscheiden.“
Politisches Manifest und Sachbuch Turis „Erzählung vom Leben der Samen“ ist eine Mischform verschiedener Genres: Es ist ein Sachbuch über Rentierhaltung und das Leben der Samen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, ein politisches Manifest und Prosatext über das Leben eines Rentierhalters. Die Dänin Emilie Demant Hatt förderte Johan Turi, lektorierte sein Manuskript und ermunterte ihn, weiter zu schreiben. Deshalb erschien das Buch 1910 auch zuerst in Dänemark. Im Laufe der Jahre wurde Turis Werk in zehn Sprachen übersetzt, unter anderem ins Deutsche. Zuletzt erschien die japanische Ausgabe und im Herbst erscheint die „Erzählung vom Leben der Samen“ als Hörbuch auf Samisch.
(Quelle: Radio Schweden)
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