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Die schwedischen Immobilienpreise haben in den vergangenen fünf Jahren so stark angezogen wie in keinem anderen Land der EU. Das zeigt Statistik der OECD. Hauptursache sind die großzügigen Bedingungen der Banken für die Hypothekentilgung.
Schwedens Finanzminister Anders Borg hat in den vergangenen Monaten kein gutes Haar an Griechenland und seiner hohen Verschuldung gelassen und damit erfolgreich von der Tatsache abgelenkt, dass die Schweden nach der Weltspitze in Sachen Immobilienkredite streben. Seit zehn Jahren steigen die Kredite für Wohnungen und Häuser jährlich um mehr als zehn Prozent – mit Ausnahme des Finanzkrisenjahres 2008. Inzwischen hat sich die Entwicklung etwas abgeschwächt: In diesem Jahr stieg die Verschuldung um 7 Prozent. Für den einzelnen Haushalt ist das viel Geld, nicht zuletzt angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit.
Für 2,6 Millionen Kronen, das sind 270.000 Euro, hat Elin Arvius gemeinsam mit ihrem Freund eine Einzimmerwohnung im angesagten Stockholmer Stadtteil Södermalm erstanden. Der Blick über das Wasser und die Altstadt ist traumhaft – die Aussicht auf ein Leben in Schulden dürfte der jungen Käuferin eher schlaflose Nächte bereiten. Einen bekümmerten Eindruck macht Elin Arvius dennoch nicht.
„Sicher ist das ein großer Kredit, aber den haben meine Eltern übernommen. Wegen ihrer finanziellen Situation und weil ich Studentin bin, brauche ich derzeit nicht abzuzahlen. Wie das später wird, weiß ich nicht, ich kenne mich da nicht so aus. Mein Plan ist jedoch, viel zu tilgen, um die Darlehenssumme zu senken und mir irgendwann einmal eine größere Wohnung leisten zu können.“
Eigenheim nach 125 Jahren
Darlehen zu tilgen, können sich viele Haushalte nicht leisten – und die Banken fordern dies auch nicht ein. Bei der Swedbank etwa tilgt nur die Hälfte der Kunden ihre Darlehen, wie eine Umfrage des Schwedischen Fernsehens unter den hiesigen Großbanken zeigt. Laut dem Statistischen Zentralamt tragen Wohnungsbesitzer jedes Jahr 0,85 Prozent ihres Schuldenberges bei der Bank ab, Hausbesitzer 1,4 Prozent.
In dem heute üblichen Maß sind die Schulden eines Häuserkaufs erst nach 125 Jahren abgetragen. Zum Vergleich: Bis zu den 1980er Jahren bezahlten die Schweden ihre Immobilien noch innerhalb von drei bis vier Jahrzehnten ab. Und war man 1970 noch mit 77 Prozent des Jahreseinkommens verschuldet, kletterten die Schulden in 40 Jahren auf ungefähr das Doppelte, sprich 162 Prozent des Jahreseinkommens.
Petter Bryman hat eine Einzimmerwohnung im selben attraktiven Haus wie Elin Arvius gekauft – nur ein Jahr und daher 70.000 Euro günstiger. Auch Bryman bekam Hilfe von den Eltern, die eine Hypothek für ihre eigene Wohnung aufnahmen.
„31 Quadratmeter für 200.000 Euro – vor einem Jahr hätte ich das völlig unglaublich gefunden. Auf dem Stockholmer Immobilienmarkt ist das aber leider nichts Besonderes. Ich habe sogar ein Schnäppchen gemacht.“
„Zu leicht und zu billig“
Hauptproblem ist laut Bengt Hansson von der staatlichen Hypotheken-Aufsichtsbehörde, dass die Banken keine höheren Ansprüche an die Kunden stellen. 15 Prozent des Preises muss der Käufer selbst aufbringen, den Rest verleiht die Bank gern. Eine höhere Hypothek garantiert schließlich mehr Zinsen. Doch dadurch steigen auch die Immobilienpreise ins scheinbar Unermessliche, merkt Bengt Hansson an.
„Es ist zu leicht und zu billig, Geld zu leihen. Diese tilgungsfreien Darlehen und kein Eigenkapital zu haben, sind ein Problem. Die Hypotheken sind extrem gewachsen und zwar stärker als das verfügbare Einkommen. Damit liegen die schwedischen Hypotheken im weltweiten Vergleich ganz vorn.“
(Quelle: Radio Schweden)
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