|
Mehr Menschen, die einen plötzlichen Herzstillstand erleiden, könnten vor dem Sterben bewahrt werden. Eine Gruppe von zwölf Herzspezialisten fordert in einem Manifest in der Tageszeitung Dagens Nyheter unter anderem eine bessere Notversorgung, mehr Rettungswagen und mehr Ressourcen für die Nachsorge von Herzstillstandpatienten.
Jährlich erleiden 10.000 Schweden einen plötzlichen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses. In Rund der Hälfte der Fälle beginnen die herbeigerufenen Sanitäter oder der Notarzt mit der Herz-Lungen-Rettung und retten damit etwa einem Zehntel von Ihnen das Leben. Das sind etwa 500 Menschen jährlich. Es könnten jedoch mehr überleben, meint einer der Unterzeichner des Manifestes, Mårten Rosenqvist, Professor für Herzkrankheiten am Karolinska Institutet in Stockholm. Mit gutem Beispiel voran gehen laut Rosenqvist etwa die Niederlande, Norwegen und die USA:
„In den USA und Norwegen etwa ist man weiter. Da funktionieren Rettungsdienst und Notversorgung besser als hier in Schweden. In Stockholm etwa gab es zuletzt einen Rückgang bei der Anzahl Rettungswagen und man konnte landesweit längere Einsatzzeiten beobachten. Da wird klar, dass man die Ressourcen besser aufeinander abstimmen könnte.“
Seit 1992 sei die durchschnittliche Anfahrtszeit von 6 Minuten auf 9 Minuten im Jahr 2010 gestiegen, zudem werde häufig falsch priorisiert und Krankenwagen seien mit weniger eiligen Transporten belegt. Daher fordern die Unterzeichner des Manifests unter anderem mehr Rettungswagen.
Hohe Belastung für Rettungsdienst
Man muss sich vor Augen halten, dass während die Anzahl der Rettungswagen zurückgegangen ist, ist die Bevölkerung gleichzeitig gewachsen und das Durchschnittsalter gestiegen. Die Belastung für den Rettungsdienst steigt also.“
Laut Rosenqvist belegen Studien aus Norwegen oder den USA, dass durch eine optimierte Notversorgung jeder vierte, dessen Herz außerhalb eines Krankenhauses aufhört zu schlagen, gerettet werden könnte. Für Schweden würde das bedeuten, dass statt 500 Patienten mehr als doppelt so viele überleben könnten. Die Unterzeichner des Manifests haben sich als Ziel gesetzt, künftig mindestens 750 Leben jährlich zu retten. Helfen könnten dabei auch Defibrillatoren, die schnell zugänglich sind.
Im Rahmen des so genannten Salsa-Projekts wurden in den letzten Jahren in der Region Stockholm über 100 Defibrillatoren verteilt:
„In Geschäftszentren, Hotels, großen Gemeindezentren, Theatern, Sportanlagen, dort, wo sich viele Menschen aufhalten. Wir wissen, dass es dort passiert, wo viele leben und arbeiten und dort muss man sie platzieren. Wir haben auch gesehen: Werden Defibrillatoren angewendet, geht es oft gut und die Überlebenschance liegt bei 50 Prozent. Das sind vielversprechende Zahlen.“
Ausdehnung des Salsa-Projekts
Die Ausdehnung des Salsa-Projektes auf ganz Schweden steht daher weit oben auf der Wunschliste der Herzspezialisten. Auch die Bürger sollen ermutigt werden und besser für lebensrettende Maßnahmen ausgebildet werden. Während Herz-Lungen-Rettung bei allen Schülern der Oberstufe Pflicht ist, sollen nach dem Manifest auch alle Arbeitnehmer die Herz-Lungen-Rettung erlernen. Die Kombination aus Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung verdreifacht die Überlebenschancen der Patienten.
Auch wenn es in Schweden, anders als in Deutschland, keine gesetzlich verankerte Pflicht zur Hilfeleistung in einer Notsituation gibt, funktioniert die erste Hilfe auch im Extremfall in Schweden, so Rosenqvist:
„Die Leute schlagen Alarm und jene, die die Herz-Lungen-Rettung beherrschen, beginnen auch damit und sind willig, das zu tun. Erleidet jemand einen Herzstillstand außerhalb seiner Wohnung, ist in über der Hälfte der Fälle jemand da, der hilft. Ich glaube, dass durch Kampagnen wie diese die Menschen sich mehr bewusst sind und eher dazu geneigt, Herz-Lungen-Rettung durchzuführen. Auch verstehen sie, dass Defibrillatoren keine gefährliche Sache sind, sondern so einfach anzuwenden wie ein Feuerlöscher.“
(Quelle: Radio Schweden)
|