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Um der hohen Jugendarbeitslosigkeit beizukommen, probt die Gemeinde Sollentuna bei Stockholm in Kürze ein neues Modell. Bei Anstellungen innerhalb der Kommune sieht der so genannte Jugendvertrag vor, dass Arbeitnehmer unter 25 Jahren nur 75 Prozent des Mindestlohns bekommen. Dieses Modell könnte bei Erfolg schon bald landesweit Schule machen.
Bei 21 Prozent liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Schweden derzeit, das entspricht 125.000 jungen Menschen ohne Job – keine Zahl, mit der sich das Land im europäischen Vergleich brüsten kann. Irgendwie müssen die jungen Leute auf den Arbeitsmarkt, hat sich der liberale Kommunalrat in Sollentuna, Lennart Gabrielsson, gedacht, und sich für einen niedrigeren Einstiegslohn im Öffentlichen Dienst stark gemacht.
„Das Lohnniveau ist ja immer wieder diskutiert worden“, erklärt der Politiker im Schwedischen Rundfunk. „Man darf aber nicht vergessen, dass gar kein Lohn immer noch weniger ist als 75 Prozent des Mindestlohns.“
Recht auf gleichen Lohn
Den Jugendlichen Malin Lindkvist und Sebastian Nord fällt es nicht leicht, das Modell für mehr Jobs zu beurteilen. „Wenn man arbeitslos ist und einen Job sucht, ist die Idee sicher gut“, meint Malin. „Ich finde aber, dass junge Leute das Recht auf denselben Lohn haben wie andere Arbeitnehmer.“
„Es ist doch besser, die Menschen gehen arbeiten, statt Sozialhilfe zu bekommen“, sagt Sebastian. „Aber es muss doch einen anderen Weg geben, als die Löhne zu senken.“
Offensichtlich nicht. Denn hohe Einstiegsgehälter sind, wie die Arbeitslosenquote zeigt, bislang ein Hindernis bei der Einstellung Jugendlicher und junger Erwachsener, die dem Arbeitsmarkt bis auf ihre Belastbarkeit kaum Qualitäten bieten können.
Erschwerend hinzu kommt, dass viele Schulabgänger nicht die Grundvoraussetzungen für eine Anstellung mitbringen. Mitschuld trägt das schwedische Schulsystem, bestätigte nicht zuletzt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, vor wenigen Jahren. Das egalitäre System, das allen die Chance auf einen Studienplatz geben soll, ist weitgehend theorielastig und ohne größeren Praxisbezug. Auch die Schulbehörde kritisiert, dass dieses System zur hohen Anzahl von Schulabbrechern beigetragen hat – und damit letztlich zur hohen Jugendarbeitslosigkeit. Immerhin entlässt die dreijährige Gymnasialschule ein Viertel aller Schüler ohne Abschluss und somit ohne nennenswerte Chance auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch haben sich bis heute die von Bildungsminister Jan Björklund befürworteten Lehrlingsausbildungen, wie in Deutschland üblich, nicht durchgesetzt.
Noch niedrigere Gehälter in der Altenpflege?
Dem Modell Sollentuna zufolge nun, das noch im Frühjahr in der Wirklichkeit getestet wird, soll nun das niedrigere Gehalt nur ein Jahr lang beibehalten werden – wohl auch, um Lohndumping vorzubeugen. Gleichzeitig bekommen die Jugendlichen einen erfahrenen Kollegen an die Hand sowie ein gewisses Maß an Ausbildung. Dennoch reagieren längst nicht alle positiv. Lenita Granlund von der Gewerkschaft der Angestellten im Öffentlichen Dienst betonte, die Löhne sollten vielmehr angehoben und die Arbeitsbedingungen verbessert werden.
„Ich halte es für den falschen Weg, junge Menschen in die Altenpflege zu locken, indem man die Löhne senkt. Gleichzeitig sind wir von Gewerkschaftsseite einem Modell gegenüber aufgeschlossen, das Ausbildung, Praktika und Berufsbetreuung beinhaltet.“
In der Altenpflege sowie bei der Kinderbetreuung in Kindergarten und Schulhort fehlt oft gut ausgebildetes Personal, das sich bei hoher Arbeitsbelastung mit vergleichsweise niedriger Bezahlung und schlechter Gehaltsentwicklung zufrieden gibt. Ob ein weiteres Absenken des Einstiegslohns für jüngere Erwerbslose attraktiv ist, wird sich zeigen.
(Quelle: Radio Schweden)
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