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BeitragVerfasst: 6. Januar 2012 14:56 
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* 4. August 1912 Lidingö, Stockholm ; Schicksal nach 1947 unbekannt

1912, vor 100 Jahren wurde der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg geboren. Wann genau allerdings der Mann, der tausende ungarischer Juden vor den Vernichtungslagern rettete, starb, ist unsicher. Wallenberg verschwand Ende des Zweiten Weltkriegs in den Gefängnissen des sowjetischen Geheimdienstes, und alle Nachforschungen haben nur unzufriedenstellende Ergebnisse erbracht. In diesem Jahr wird Raoul Wallenberg mit einer internationalen Wanderausstellung gefeiert. Seine Verdienste, seine Zivilcourage und sein Mut werden vor allem schwedischen Schülern vor Augen geführt.

Olle Wästberg koordiniert die Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, er bedauert, dass nur wenige junge Schweden von Wallenberg gehört haben: „Offensichtlich ist er international bekannter als in Schweden. Ich bin überzeugt, dass Jungendliche hier kaum wissen, wer er war. Aber ich hoffe, dass das in einem Jahr nicht mehr der Fall ist.“

Vermutlich hat Wästberg Recht, Radio Sweden stieß bei einer kurzen Umfrage bei jungen Leuten auf erstaunliche Wissenslücken:

„Nein“

„Nein!“

„Nee, kenn ich nicht.“

„Also ein bisschen vielleicht: Ein großer Unternehmer, in der Verpackungsindustrie, Tetra-Pak, oder so.“

„Haben wir in Geschichte in der Schule nicht gehabt. Da drehte sich alles um den Zweiten Weltkrieg. Aber Wallenberg? Nee, über den wurde nicht geredet.“

Spur endet in Moskau
Die Ausstellung „Ich habe keine andere Wahl – Raoul Wallenberg 1912 – 2012“ geht auf eine Tournee durch sechs Länder. Ihr Titel bezieht sich auf die Worte des 32-jährigen Wallenberg, als sein Kollege Per Anger ihn an der Botschaft in Budapest bei Kriegsende dringend ermahnte, die Stadt zu verlassen. „Ich habe diesen Auftrag angenommen. Ich kann nicht nach Stockholm fahren, ohne alles zu tun, um so viele Juden wie möglich zu retten“, beharrte Wallenberg.

Nur wenige Tage später nahm die sowjetische Armee ihn im Januar 1945 bei der Eroberung von Budapest gefangen und verschleppte ihn nach Moskau in das berüchtigte Lubjanka-Gefängnis. Mindestens bis Anfang 1947 wurde Wallenberg in verschiedenen sowjetischen Gefängnissen gefangen gehalten, über sein späteres Schicksal herrscht Unklarheit.

International geprägte Ausbildung
Für die Wallenberg-Ausstellung und die Vorträge vor Schülern sind das Auswärtige Amt, die Behörde „Forum für lebendige Geschichte“ (Forum för levande historia) und das Schwedische Institut zuständig. Koordinator Olle Wästberg sieht mehrere Gründe, Raoul Wallenberg in den Mittelpunkt zu stellen: „Wallenberg ist ein Sinnbild des schwedischen Strebens, die Menschenrechte zu unterstützen. Vor allem aber war er ein Mensch, der mit ungeheuer viel Mut für andere eintrat. Vorbilder wie ihn haben wir auch heute nötig.“

Raoul Wallenberg wurde 1912 im Stockholmer Vorort Lidingö geboren. Seine Vorbilder waren seine Mutter und sein Großvater. Raouls Vater war bereits vor der Geburt des Kindes gestorben. Der Großvater war Diplomat, er wollte dem Jungen eine breit gefächerte internationale Ausbildung mit Reisen in die ganze Welt geben. Wallenberg lebte zeitweise in den USA und studierte dort Architektur.

Stina Mansfeld ist für den Inhalt der Ausstellung zuständig. Ihrer Ansicht nach formten die Kindheitserlebnisse Raoul Wallenberg sehr: „Ich glaube, die starke Persönlichkeit seiner Mutter und die Reisen mit dem Großvater haben seinen Horizont geweitet. Durch sie hat er mehr Toleranz und Mitgefühl entwickelt.“

Erste Begegnungen
Zwischen 1935 und 1936 arbeitete Wallenberg bei einer Bank im heute israelischen Haifa und begegnete dort zum ersten Mal Juden, die aus Deutschland geflohen waren. Nach Schweden zurückgekehrt, wurde er in einem Unternehmen angestellt, dessen Besitzer ein Jude aus Ungarn war. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse und der Möglichkeit, mit schwedischem Pass im verheerten Europa zu reisen, wurde er bald Teilhaber des Unternehmens.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs genehmigte das schwedische Außenministerium Wallenberg, an der Botschaft in Budapest tätig zu werden. Er befasste sich dort in der Hauptsache mit dem Schicksal der ungarischen Juden. Die Regierung hatte ihm eine Liste mit ungefähr 800 Menschen in Ungarn zugestellt, die Beziehungen zu Schweden hatten und deren Aufnahme die schwedischen Behörden garantierten.

Als Wallenberg am 9. Juli 1944 in Budapest eintraf, waren mehr als 435.000 Juden aus den ländlichen Gebieten Ungarns bereits nach Auschwitz deportiert worden. In Budapest lebten noch ungefähr 230.000 Juden. Wallenberg stellt ihnen auf Wunsch schwedische Schutzpässe aus. Die Papiere machten ihre Inhaber zu schwedischen Staatsbürgern, die im Heimatland wieder eingebürgert werden sollten. Auch die Schweiz und der Vatikanstaat stellten ähnliche Pässe aus. Mit einer Mischung aus Mut, Frechheit, Sprachkenntnissen und Arroganz konnte Wallenberg Zehntausenden das Leben retten.

Jahr der Würdigung
Außenminister Carl Bildt möchte, dass Wallenbergs Verdienste im Jahr 2012 besonders gewürdigt werden: „Wir haben ja schon immer viel über Raoul Wallenbergs Schicksal gesprochen und das wollen wir auch weiterhin tun. Aber 2012 ist das Jahr, in dem wir ihn und das, was er erreicht hat, besonders feiern sollten.“

Auf der ganzen Welt gibt es 32 Wallenberg-Denkmäler, im Ausland ist Raoul Wallenberg einer der bekanntesten Schweden. Daran, dass Wallenberg in Schweden erstaunlich unbekannt ist, soll das Jubiläumsjahr viel ändern, hofft Olle Wästberg. Geplant sind Festakte, Seminarien und Vorlesungen in Schweden und anderen Ländern. So werden am internationalen Holocaustgedenktag, dem 27. Januar, der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, und der schwedische Regierungschef Fredrik Reinfeldt auf dem Raoul Wallenberg-Platz in Stockholm Reden halten. Die schwedische Post gibt eine neue Briefmarke zu seinen Ehren heraus und es erscheinen mindestens fünf neue Bücher über Raoul Wallenberg.

(Quelle: Radio Schweden)


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