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Der Brand im Atomkraftwerk Ringhals im vergangenen Frühjahr beruhte offenbar nicht, wie von der Werksleitung angegeben, auf menschlichem Versagen, sondern auf Versäumnissen prinzipieller Art. Zudem spielten die Verantwortlichen des von Vattenfall betriebenen Atomkraftwerks die Folgen des Unfalls herunter. Dies geht aus einem Bericht hervor, den das Schwedische Fernsehen am Mittwochabend ausstrahlen wird. Der Bericht, aus dem jetzt vorab Auszüge veröffentlicht wurden, wirft erneut ein zweifelhaftes Licht auf Schwedens Atomkraftbetreiber.
Pannen sind in Schwedens Atomkraftwerken weniger Ausnahme denn Regel. Laut Statistik der Atomenergiebehörde IAEA aus dem Jahr 2010 müssen nirgendwo auf der Welt Meiler so häufig wegen Störungen abgeschaltet werden wie hier. Als in der Nacht zum 11. Mai 2011 im Ringhals-Reaktor Nummer Zwei ein Brand ausbrach, löste dies in der überwiegend atomkraftfreundlichen Öffentlichkeit denn auch kaum Besorgnis aus – zumal die Vattenfall-Führung abwiegelte. Demnach war der Brand, entstanden durch einen Kurzschluss in einem vergessenen Staubsauger, erstens nicht umfangreich und zweitens und vor allem: kein Symptom für grundlegende Sicherheitsmängel.
Peinlicher Arbeitsplatz Ringhals
Der Bericht des Fernsehprogramms „Uppdrag Granskning“, auf Deutsch: „Auftrag Enthüllung“, weckt starke Zweifel an dieser Argumentation. „Die meisten hier bei Ringhals schämen sich, an einem Platz zu arbeiten, wo so etwas passiert ist“, sagt ein Informant, der anonym bleiben will. Mehrere Angestellte berichten in der Sendung übereinstimmend von einem sehr stark in Mitleidenschaft gezogenen Unfallort. Untermauert wird dies von Fotos, die der Redaktion zugänglich gemacht wurden. Und was ging eigentlich dem Brand voraus? „Alle beschreiben in etwa das Gleiche“, so der Informant: „Hier hatte sich eine kleine Gruppe in den Kopf gesetzt, ein Experiment zu machen – das dann freilich nicht gerade gut ausgegangen ist.“ Besagtes Experiment war laut dem Fernsehbericht dem Motto „Zeit ist Geld“ geschuldet. Zum Unglückzeitpunkt hatte der Reaktor Zwei seit Längerem stillgestanden – ein gewohnter Zustand auch bei Ringhals. Nun sollte der Meiler wieder ans Netz gehen. Zuvor war aber der obligatorische Druck-Test angesagt. Er wurde vorverlegt, um 40 Ausfallstunden zu sparen.
Vorfälle? Keine
In der Eile vor dem Test erhielten die für die Reinigung des Reaktors verantwortlichen Mitarbeiter widersprüchliche Anweisungen: Einerseits sollten sie befindliche brennbare Ausrüstung entfernen, andererseits aber für die spätere Arbeitsaufnahme stehen lassen. Deshalb fanden die Flammen nach Brandausbruch auch genügend Nahrung. Das gesamte Vorgehen deute eher auf organisatorische Probleme in dem Atomkraftwerk hin denn auf rein „menschliches Versagen“, befindet ein Sprecher der Strahlenschutzbehörde in der Sendung. Darüber hinaus erscheint auch die Informations-Policy von Ringhals zweifelhaft. Am Morgen nach dem Brand fand ein seit längerem geplantes Treffen zwischen Repräsentanten des Strahlenschutzamtes und der gesamten Sicherheitsabteilung von Ringhals statt. Über den Brand verlor man von Ringhals-Seite kein Wort.
(Quelle: Radio Schweden)
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