Hiltrud Baier hat geschrieben:
... diese Einstellung kann ich nicht teilen. Manche Dinge lassen sich auch ändern ...
Das wiederum setzt blind voraus, dass es sich hierbei lediglich um einen nachlässigen Umgang mit dem Datenschutz handelt, den mit einer Novelle des Datenschutzgesetzes beheben kann. Das ist aber mitnichten so. Das Öffentlichkeitsprinzip ist eine Grundfeste dieses Staates, und zwar seit über 240 Jahren!
Dies ändern zu wollen ist ungefähr so, als wolle man in Deutschland das Recht auf Kriegsdienstverweigerung oder die Pressefreiheit aus dem Grundgesetz streichen.
Ich finde auch, dass man die Nutzung des Öffentlichkeitsprinzips strenge Grenzen setzen muss. Extrakoll tut genau das, was Ratsit vor Jahren indirekt verboten bekommen hat. Ratsit hatte anfangs eine gewisse Anzahl von Anfragen kostenlos und anonym zugelassen. Das Skatteverket schritt irgendwann ein und beschloss, dass man künftig nicht mehr mit Anbietern zusammenarbeiten wird, die nicht bestimmte Regeln befolgen. Seither ist die Abfrage anonym fast nicht mehr möglich. Wer abgefragt wird, erhält automatisch einen Brief darüber, dass er abgefragt wurde und von wem.
Nur weil wir als Deutsche unsere Steuererklärung für etwas privates halten, muss das in Schweden noch lange nicht so sein. Es handelt sich hierbei schlicht um einen kulturellen Unterschied.
Es ist auch nicht zwangsläufig eine Datenschutzverletzung. Es darf jeder abfragen, was ein einfacher Bürger verdient. Diese Daten zu sammeln und weiterzureichen ist jedoch verboten.
Im übrigen ist der "Big Brother is watching you"-Vorwurf etwas seltsam, denn der Staat weiß ja sowieso, was man in seiner Steuererklärung stehen hat. Der Staat spioniert hier also nicht im Privatleben seiner Bürger herum.
Insofern sollte man vielleicht beim Skatteverket Anzeige über die Praktiken von extrakoll.se erstatten - aber das ist dann auch schon alles, was es zu ändern gibt, denn die Herausgabe der Steuerdaten ist in diesem Land eine Selbstverständlichkeit.