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BeitragVerfasst: 10. Juni 2011 13:39 
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Die Halbinsel Djurgården, „grüne Lunge“ Stockholms, lädt nicht nur zu ausgedehnten Spaziergängen ein; sie beherbergt auch einige der meistbesuchten schwedischen Museen. Ein besonderes Kleinod findet sich an ihrer Südspitze: Prinz Eugens Waldemarsudde. Der Wohnsitz des 1865 geborenen „Malerprinzen“ Eugen ist heute staatliches Kunst- und Freilichtmuseum. Nicht nur die Sammlung von Werken des Prinzen und weiterer namhafter schwedischer Maler sowie aktuelle Ausstellungen locken Besucher an. Viele kommen auch wegen der Blumen – im Museum sowie in der weiträumigen Parkanlage, die der Prinz einst als eine Art Gesamtkunstwerk gestaltete. Radio Schweden traf die beiden Frauen, die dafür sorgen, dass die Blütenpracht drinnen wie draußen alljährlich neu ersteht.

Nicht nur die Vögel sind zu früher Morgenstunde bereits mächtig in Form. Im Park, der auf drei Seiten den imposanten Blick auf Wasser vor Stockholm-Kulisse freigibt und in dem baumhohe Fliederhecken in Weiß und Violett derzeit starke Akzente setzen, wird eifrig gejätet und gegossen. Als Chefgärtnerin herrscht Marina Rydberg rund ums Jahr über das 70.000 Quadratmeter große Anwesen; ihr zur Seite stehen vier Garten-Angestellte und Floristin Kristina Öhman, die sich um die Blumenarrangements im Schloss kümmert. Ich treffe Marina Rydberg und Kristina Öhman in Marinas „Schaltzentrale“, im Gewächshaus. „Dass ein Gewächshaus herkam, war das Erste, wofür der Prinz neben dem Bau seines Wohnhauses sorgte“, berichtet sie mit Blick auf Tulpen von Hellrosa über Orange bis Knallrot sowie diverse Geranien, der besondere Stolz von Waldemarsudde. In seinem Testament verfügte Prinz Eugen, Waldemarsudde möge der Allgemeinheit als „lebendiges Kunstmilieu“ erhalten bleiben – inklusive der Pflanzen. „Ich habe massenhaft Blumen vor meinem Atelierhaus. Gleich nach der Kunst sind Blumen meine größte Freude.“ So berichtete er in einem Brief über sein neu erworbenes Domizil, in dessen Räumen die prachtvollen floristischen Arrangements bisweilen fast der Kunst die Show stahlen – genau wie heute.

Kontinuierlich und nachhaltig

„Ich verwende im Schloss das, was hier im Garten angebaut wirdbeziehungsweise was im Park wild wächst. Zu 99,9 Prozent hole ich mein Material von hier“, sagt die Floristin Kristina. „Das Sortiment ist im Prinzip so, wie es immer gewesen ist.“ Die Prinzipien also letzlich höchst modern: Nachhaltigkeit und Kontinuität. Zum einen werden die Blumen nicht von fern herangekarrt, sondern sind „hausgemacht“: Alles, was in Garten und Schloss das Auge des Besuchers erfreut, haben Marina und ihre Mitarbeiter selbst herangezogen. Zum anderen haben sich Gärtnerin und Floristin streng an die Vorgaben zu halten, in welcher Weise das Farbenspiel im Sinne des Prinzen Jahr für Jahr aufs Neue zu erstehen hat. Na gut, mit kleinen Ausnahmen: „Ich halte mich schon ans vorgegebene Sortiment“, sagt Kristina, „aber einiges mache ich auch nach meinem eigenen Kopf. Und Marina züchtet schön alles für mich heran. Ich finde, Marina und ich, wir arbeiten prima zusammen.“ Im Gespräch ist zu merken: Kristina, mit Ausbildungen als Dekorateurin und Floristin, und Marina, Absolventin der Landwirtschaftsuniversität und Gärtnerin mit Pflanzenzucht als Spezialität, sind ein eingespieltes Team.

Clevere Knollen-Suche

„Sobald ich Zeit habe, bin ich draußen am Pusseln, jäte, genieße. Hier will ich Blumen züchten, ein ganzes Meer von Blumen….“, so Prinz Eugen enthusiastisch in einem Brief. Als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler seiner Zeit hatte er ziemlich genaue Pläne für die Gestaltung von Waldemarsudde. So bevorzugte er Blumen in Blau, Weiß, Gelb und Rosa, obgleich diese Farben zu seiner Zeit als „altmodisch“ galten. Und: „Es heißt, dass der Prinz ziemlich einfache Blumen mochte, Ringelblumen zum Beispiel und Tagetes – die eignen sich übrigens ziemlich gut als Schnittblumen“, sagt Floristin Kristina, die selbst vor allem Tulpen-Fan ist – nicht zuletzt, sagt sie, weil sich Tulpen eben nicht wirklich zähmen lassen, in der Vase ihr eigenes Leben führen. Das richtige Rohmaterial zu finden, ist allerdings gar nicht so einfach, berichtet Gärtnerin Marina: „Es kommt darauf an, viele Kontakte zu pflegen, sodass ich verschiedene Stellen habe, wo ich das Passende finden kann. Was die Zwiebeln betrifft, ist ja das meiste, was zu Zeiten des Prinzen gezüchtet wurde, heute historisches Material, das es in so genannten Zwiebel-Museen in Holland gibt. Zum Glück habe ich einen sehr guten Lieferanten in Holland, er kennt das gesamte Angebot, er kann mich beraten und mir Alternativen anbieten.“

Blickrichtung Mittsommer

Marina denkt langfristig: Gerade hat sie die Bestellung der Zwiebeln für Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und Amaryllis abgeschlossen, die Anfang September eintreffen und laut Plan ab Weihnachten in Blumengestalt die Räume verzieren werden. Freilich scheint Weihnachten jetzt noch ebenso weit entfernt wie der Gedanke an die Schneeräumung, für die Marina und ihre Mannschaft auch zuständig sind – schließlich ist der Park ebenso wie das Museum rund ums Jahr geöffnet. Im August/September, da sind sich beide Frauen einig, erstrahlt der Park in seinem prächtigsten Glanz. Zu Mittsommer wird von Frühling auf Sommer umgeschaltet; im Moment, da Tulpen und Narzissen verblühen, herrscht eine gewisse Durststrecke, für die allerdings Alpenveilchen und Flieder entschädigen. Für Marina und Kristina ist alles andere als Langeweile angesagt. Nicht zuletzt jetzt im Frühsommer steigt die Nachfrage nach Jungpflanzen, die das Museum ebenso verkauft wie den berühmten Waldemarsudde-Blumentopf, der mit Dekoration vermarktet sein will. Was steht in den kommenden Wochen an? „Unkraut zupfen, Unkraut zupfen“, sagt Marina, „Gras mähen, die Buxbaum-Hecken stutzen und zusehen, dass alle Pflanzen ordentlich wachsen, sodass wir den Sommer-Garten bis zu Mittsommer fertig haben.“

Das Museum ist täglich von Dienstag bis Sonntag ab zehn Uhr geöffnet, von Juni bis August gibt es zudem jeden Donnerstag um 12:30 eine Führung durch den Park.

(Quelle: Radio Schweden)


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