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BeitragVerfasst: 19. April 2011 23:54 
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Nach dem überraschenden Sieg der "Wahren Finnen" bei der Parlamentswahl in Finnland bilden sich bei den Politikern auf Åland mehr und mehr Sorgenfalten. Einig ist man sich nur, dass die "Wahren Finnen" wohl in den nächsten 4 Jahren in der Regierung sitzen werden und als Gegenpol zu den "Wahren Finnen" die Schwedische Volkspartei ebenfalls mit in die Regierung kommen sollte. Doch das wird wohl nicht passieren, denn wenn die Sozialdemokraten und Liberalen zusammen mit den "Wahren Finnen" eine deutliche Mehrheit bilden, braucht es keine weitere Partei.

Ernsthafte Probleme sehen die Åländer vor allem auf das Schwedische in Finnland zukommen. Unter den "Wahren Finnen" wird eine Abkehr vom Norden, vom Schwedischen und von Europa befürchtet, eine Isolation des Landes, das bald, wenn man verschiedenen Kritikern glauben schenkt, ein Land zwischen Ost und West werden könnte. Schwedisch, wenn sich die "Wahren Finnen" mit ihrer Position durchsetzen können, könnte schon bald als Pflichtsprache in finnischen Schulen abgeschafft werden. Damit wäre auch der erste Schritt zur Abkehr von den anderen skandinavischen Ländern getan.

Auch was Åland angeht, liegt die Zukunft im Dunkeln. Klar ist, dass die "Wahren Finnen" nichts gegen eine Abspaltung Ålands von Finnland haben und Finnland "Finlandisieren" wollen. Die åländischen Liberalen und die Unabhängigkeitspartei Ålands Framtid denken mittlerweile schon laut über Untersuchungen eines Anschlusses an Schweden nach. Auch wenn diese Gedankengänge von den åländischen Liberalen noch als "Träumerei" relativiert werden, allein dass der Gedanke zum ersten mal seit knapp 100 Jahren zumindest wieder in Erwägung für mögliche Zukunftsszenarien gezogen wird, sagt viel über die bereits seit einem längeren Zeitraum auseinandergehende Entwicklung von Åland und Finnland aus.

Während Åland seinen Blick seit Jahren immer mehr Richtung Westen wendet, schottet sich Finnland seit Jahren immer mehr gegen das Schwedische ab. Während sich immer mehr Finnen von den Åländern und allgemein auch vom Schwedischen abwenden und sich einem finnischen Finnland zuwenden, studieren immer mehr åländische Jugendliche in Schweden, leben und arbeiten immer mehr Åländer einen Teil ihres Lebens in Schweden und bauen sich hier entsprechend ihren Bekannten- und Freundeskreis auf. Die Beziehungen Ålands nach Finnland reißen in den letzten Jahren immer mehr ab, und diese Entwicklung wird durch die derzeitige politische Entwicklung eher verstärkt. Die Finnischkenntnisse der Åländer gehen seit Jahren kontinuierlich zurück. Auch die åländische Wirtschaft befindet sich derzeit in einer Wende. Der letzte Jahresbericht des åländischen Glücksspielunternehmen PAF macht das beispielhaft für die gesamte åländische Wirtschaft deutlich: Die Zukunft liegt auf dem schwedischen Markt, dieser Markt ist in Zukunft der wichtigste Markt - nicht nur für PAF, sondern für immer mehr åländische Unternehmen.

Dass Åland in den letzten Jahren immer schwedischer wird, ist offensichtlich. Immer mehr schwedische Ketten siedeln sich auf Åland an und verdrängen die finnischen Ketten. Dies ist nicht nur gesellschaftlich, sondern auch politisch gewollt. So ist es de facto für schwedische Ketten einfacher, eine Genehmigung für eine Filiale zu erhalten als für finnische Unternehmen, auch wenn offiziell niemand Ausländischer bevorteiligt wird.

Åland ist das einzige Land in Finnland, wo man flächenmäßig auch mit Schwedischen Kronen bezahlen kann, die Åländer schauen schwedischen Fernsehen, sind Stammgäste im ICA Flygren in Norrtälje, Linienbusse verbinden die Ankunftshäfen der Ålandfähren in Kapellskär und Grisselhamn mit Stockholm und Uppsala, åländische Kinder schauen Bullerby, Pipi Långstrump und Emil i Lönneberga, unternehmen als Schulkinder Klassenfahrten nach Schweden, studieren als Jugendliche in Uppsala, jobben nach dem Studium in Schweden und leben mit ihrer Familie später wieder in ihrer Heimat, in Lilla-Sverige (Klein-Schweden). Åland verändert sich immer mehr zu Klein-Schweden, zu einem Land, dass außer der Politik nichts mehr mit Finnland zu tun hat. Es sind nur noch politische Kontakte nach Finnland, der gesellschaftliche Kontakt zum finnischen Festland ist für die meisten Åländer längst verloren gegangen. Was die politischen Kontakte angeht, soll auch dies in Zukunft vermindert werden. Das åländische Lagting hat kürzlich eine Resolution angenommen, dass das Lagting in Zukunft schwedische Gesetzesvorlagen für eigene åländische Gesetze verwendet, nicht mehr wie bisher die finnischen Vorlagen, wo es in der Regel vorher noch einer Übersetzung bedarf.

Nüchtern betrachtet ist die Regierungsbeteiligung der "Wahren Finnen" nur ein weiterer, wenn auch gravierener Schritt, in der Geschichte Ålands. In einer Entwicklung, in der sich das kleine Inselreich seit der Zuweisung zu Finnland im Sommer 1921 durch den Völkerbund immer mehr von Finnland entfernt und löst.

Wie Åland in 4 Jahren am Ende der Legeslaturperiode darsteht, darüber kann man derzeit nur spekulieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich die nächsten Monate entwickeln. Klar ist nur eines: Wenn Åland sich von Finnland lösen will, ob es nur um mehr Autonomie geht oder um Unabhängigkeit oder Anschluss an Schweden, die "Wahren Finnen" werden die letzten sein, die etwas dagegen haben. Die Frage ist, in wie weit die "Wahren Finnen" ihre Positionen im Koalitionsvertrag mit den Sozialdemokraten und Liberalen durchsetzen können.

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BeitragVerfasst: 20. April 2011 17:32 
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hej alandika, schön dich wieder zu lesen.
was meinst du, wenn sich die ålandikaner von finnland lösen, sind sie ja fuehrerlos da könnte ich doch eigentlich könig von åland werden zwischendurch eller hur?ich könnte mich dann ja auch umbenennen.könig brummbaer hört sich auch nicht so gut an wa
gruss

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Zitat: Wer an die Quelle will, muss auch mal gegen den strom schwimmen.


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BeitragVerfasst: 25. April 2011 10:14 
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Hej Brummbaer,
gute Idee eigentlich, König Brummbaer. :) Meiner Meinung nach wird die neue politische Situation sicherlich zu einer deutlichen Ausweitung der Autonomie nach dem färöischen Modell führen, aber dass Åland sich in den nächsten 4 Jahren komplett von Finnland löst, kann ich mir nicht vorstellen. Aber wer weiß, wenn die neue finnische Regierung nichts dagegen hat ist alles möglich.

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BeitragVerfasst: 29. April 2011 09:37 
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Ich war noch nie auf Åland, leider, aber König Brummbär hört sich hervorragend an.
Ja nicht den Namen ändern :flagge3:

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BeitragVerfasst: 30. April 2011 10:02 
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Die Welt braucht neue Königreiche. Wie wir gestern gesehen haben, gibt es dann auch endlich mal positive Nachrichten... ;-)

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