Einmal durch den Sarek 2013 Teil 2

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Erny
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Einmal durch den Sarek 2013 Teil 2

Beitrag von Erny »

Teil 2 der Wanderung

21. August

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Schon in der Nacht war es bitterkalt geworden. Mein Sommerschlafsack kam hier ganz klar an seine Grenzen. Aber trotz leichtem Frösteln schlief ich, mit kurzen Unterbrechungen, einigermaßen gut. In einer der Unterbrechungen hielt ich mal kurz die Kamera raus und drückte auf den Auslöser. Das sah zwar kalt,aber auch toll aus.

Schon früh machte ich mal das Zelt auf, um wieder nach draußen zu schauen. Wow – es war blauer Himmel, soweit ich sehen konnte. Der Vuojnesvárasj, an dessen Südflanke ich gestern durch den Pass gegangen war, sah wirklich verlockend aus. Ich entschloss mich dazu, heute nicht weiterzugehen. Ich holte mir Wasser und kochte mir Frühstück. Nach dem Essen leerte ich meinen kleinen Tagesrucksack, in dem ich den Müll einlagerte, der sich bis jetzt angesammelt hatte, nahm eine Keksrolle, meine Wasserflasche, meine Kamera, ließ den ganzen Rest im Zelt und marschierte über die Nordflanke auf den Vuojnesvárasj. Heute war Fotoshooting angesagt.


Oben auf den Gipfel pfiff ein eisiger Wind, aber dafür hatte ich bereits beim Aufstieg meine Regenjacke anbehalten. Aus dem gleichen Grund zog ich oben, auf dem Gipfel, meine Regenhose, die in meinen Tagesrucksack noch mit eingepackt hatte, an. So – nun konnte es losgehen. Zu erst einmal auf die Südwestseite, um das Tal zu fotografieren, aus dem ich gekommen war.

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Dann mal einige Blicke nach links (Nordwest), zu dem Tal, das dort liegt.

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Dann mal einige Blicke nach rechts (Südost), zu dem Tal, das dort liegt.

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Und dann auch in die Richtung, in die ich weiter wandern wollte.

Ganz am Horizont konnte man den Kegel des Sluggá sehen, an dessen Südfostlanke, auf dem Foto die rechte Seite, lag flacher und langgestreckt, der Gähppo. Rechts von dem wollt ich auf die Hochebene, die dann bis zum Kungsleden sich hinstrecken würde.

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Mmphf. Der Sluggá war schon außerhalb des Sarek, und schon verdammt nah an der Saltoluokta Fjällstation. Von meinem Standort dort auf dem Vuojnesvárasj aus, hätte ich, wenn ich am Sluggá angekommen wäre, schon 1/3 der restlichen Wanderung hinter mir. 1½ bis 2 Tage bis zum Sluggá, dann vielleicht noch 2½ bis 3 Tage, und es wäre schon wieder alles vorbei. Bloß nicht daran denken, genieße lieber das Jetzt, dachte ich bei mir, kuschelte mich in eine Felsnische mit Windschutz und machte eine Kekspause, während ich in aller Ruhe meinen Blick schweifen - und die Seele baumeln ließ.

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Und unten am Fluss Guhkesvákkjåhkå, ganz klein, nur mit dem Tele überhaupt zu sehn, die entscheidene Brücke über den Fluss.

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Etwas schwermütig machte ich mich irgendwann wieder auf den Weg nach unten. In meinem Kopf kreiste der Gedanke, ob ich jemals wieder hier her kommen würde, oder ob ich diese Aussicht nie wieder genießen konnte. Eindeutig - das war eine Spitzenzeit gewesen, hier auf dem Gipfel. Es war nicht der erste Platz auf dieser Wanderung, bei dem ich Schwierigkeiten hatte, ihn zu verlassen. - Unten wartete mein Zelt.

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Frage: Wie war der Tag?

Antwort: Einfach nur toll!

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22. August

In der Nacht war es wieder ein bisschen kühl im Schlafsack, sodass ich doch ein paar Mal kurz wach wurde. Ansonsten weiß ich von dieser Nacht nur, dass ich von einem großen Stück Fleisch geträumt habe. Das ständige Pastaessen schaffte eindeutig Begehrlichkeiten nach etwas Festem.

Als ich am Morgen aus meinem Zelt schaute, war oben am Himmel mal wieder ein heftiges Tohuwabohu. Direkt über mir war absolut blauer Himmel, nördlich und südlich von mir zog eine dunkle Wolkenmasse Richtung Osten. Etwas höher davon und östlich von mir zogen die Wolken von Süden nach Norden, und noch eine Schicht drüber genau umgedreht, von Norden nach Süden. Da die Sonne im Osten aufgeht, wurde es daher leider nichts mit einem aufgeheizten Zelt. Pech gehabt. Irgendjemand hatte die Berge um mich herum in der Nacht mit Puderzucker bestreut. Auch wenn ich nachts keinen Regen gehört hatte, und Puderzucker lag direkt am Zelt auch nicht herum, musste es doch an den Berghängen über Nacht geschneit haben.

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Gegen acht Uhr quälte ich mich aus dem Schlafsack, um aufzustehen. Draußen pfiff ein a.....kalter Wind aus dem Norden. Wirklich saukalt. Ich zog mich komplett im Zelt an, und zwar volle Montur, inklusive Regenjacke und Regenhose. Es regnete zwar nicht, aber das Zeug hält den Wind wenigstens 100%ig ab.

Wasser holen, kochen, Frühstück und dann wurde gepackt. Das Wetter war, trotz des Tohuwabohus am Himmel wieder toll. Na ja, abgesehen vom kalten Wind. Auch wenn ich Brücke nicht sehen konnte, wusste ich doch grob, vom gestrigen Ausflug, wo sie steht, und machte mich auf den Weg. Einen Weg gab es erst einmal nicht, aber das Gelände war eben und einfach zu begehen, ab und zu kam ein ausgetrockneter oder fast ausgetrockneter Flussarm, ohne Brücke, aber die war hier auch nicht nötig. Wobei – auf dem Kungsleden und Padjelantaleden, hätte es sicher eine Brücke gegeben. Bald traf ich sogar auf einen richtigen Trampelpfad, und da dieser grob in die Richtung ging, die ich mir dachte, blieb ich auch auf ihr, und bald kam dann auch die Brücke in Sicht, die über den Guhkesvákkjåhkå führte.

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Auf meiner ankommenden Brückenseite gab es keine Angabe über Gewichtsbegrenzungen, sodass ich ohne irgendwelche Bedenken über die Brücke ging. Drüben angekommen musste ich allerdings feststellen, dass, sollte man von dieser Seite über die Brücke gehen wollen, man nur mit einer Person zur gleichen Zeit, zum Glück wenigstens mit Rucksack, über die Brücke darf. Die zweite Brücke, auf die ich auf meiner Wanderung traf und die zweite Brücke, über die man von einer Seite mit einer ganzen Horde gleichzeitig laufen darf, und von der anderen Seite nur alleine. Manchmal verstehe ich die Schweden ehrlich gesagt nicht.

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An der Brücke machte ich erst einmal eine längere Keks- und Fotopause, bevor es dann weiter Richtung Osten, am Nordufer des Lehtjitjávrre längs. Hier wurde der Weg, der in der Karte nicht eingezeichnet war, aber trotzdem vorhanden war, doch etwas holperig. Der Berg, der nördlich von mir aufragte, hatte wohl schon den einen oder anderen Felsen mal verloren und hier abgelegt. Zum ersten Mal spürte ich mein rechtes Knie etwas unangenehm, aber längst nicht so schlimm, wie es letztes Jahr auf der Wanderung war.

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Ungefähr vier Kilometer hinter der Brücke, ich hatte inzwischen den Weg verloren und ging quer durch das Gelände, landete ich in einem unangenehmen Buschgelände, in dem kaum ein Durchkommen war.

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Auch wuchs das ganze Geflecht nur auf einer hauchdünnen Grasschicht. Darunter lag eine Geröllhalde und kleine Bäche flossen da durch, die man durch die Büsche kaum sehen konnte, sodass man aufpassen musste, nicht aus Versehen in eine Spalte zu rutschen. Gerade hier traf mich einer der seltenen Nieselregen, was die Sache noch rutschiger machte. Als ich südlich der dort liegenden Renvaktarstuga vorbei ging, ließ ich dieses Gestrüpp endlich hinter mir. Hier hatte ich mit viel Anstrengung wenig geschafft. Ich hatte wieder festen und übersichtlichen Boden unter den Füßen, da hörte es auch auf zu regnen. Die Felsbrocken, die hier weiterhin herumlagen, waren größer und auch die Zwischenräume zwischen ihnen, sodass das Gelände ganz angenehm wurde. Bald kam ich dann aber auf ein riesiges Geröllfeld, dass wohl ein Gletscher vor ein paar Tausend Jahren hier mal hingeschoben hatte und als dieser sich wieder zurückzog, vergessen hatte, alles wieder mitzunehmen. Als ich ca. 1 ½ km nach der Wachhütte einen ganz schmalen, aber schnell fließenden Bach mit klarem Wasser gefunden hatte, machte ich für heute Schluss. Ich suchte im Geröllfelde ein ebenes Plätzchen, wo mein Zelt hinpasste. Es wehte immer noch ein kalter Wind von Norden. Östlich von mir stand kein Berg. Sollte morgen der Himmel wolkenlos sein, würde die Sonne morgens auf mein Zelt scheinen. Irgendwie war mir danach.

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23. August

Der Wunsch, dass die Sonne schön auf mein Zelt scheine würde, wenn ich am Morgen erwache, hat sich leider nicht erfüllt. Aber zumindest hatte der Wind gedreht, kam jetzt wieder aus Süden und war somit angenehm warm. Wasser holen, kochen und Frühstücken, wie immer. Danach fing ich aber nicht gleich an zusammenzupacken, sondern ging erst einmal, mit der Kamera bewaffnet, zu einem Geröllberg, den wohl ein Gletscher hier mal zusammengeschoben hatte. Es war gar nicht so leicht auf diesen Berg zu klettern, da er wirklich nur aus riesigen Felsbrocken bestand, mit entsprechend tiefen Spalten dazwischen. Aber was sein muss, muss sein. Oben gab es dann zur Belohnung eine fantastische Aussicht, die ich dann auch mit meiner Kamera festhielt.

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Dann klettere ich wieder von dem Schuttberg herunter, ging zu meinem Zelt, packte und machte mich auf den Weg bzw. durch diese Felslandschaft grob in die Richtung, die es denn sein sollte. Der Einschnitt zwischen dem Vuovres und dem Gähppo, gegenüber dem Tal, in das ich herunterging, war ja nicht zu übersehen. Die Wolken hingen teilweise ziemlich tief, aber es sah nicht nach Regen aus.


So kämpfte ich mich durch dieses Felslabyrinth. Teilweise musste ich Umwege machen, da plötzlich in einer Senke ein See auftauchte oder eine Geröllhalde vor mir war, bei der es mir sinnvoller erschien, diese zu umgehen.

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Zwischendurch gab es mal wieder fast undurchdringliches Gebüsch und Sümpfe, die ich umgehen musste. Ich konnte schon von hier sehen, dass diese Gerölllandschaft noch eine ganze Weile so weitergehen würde, erst nach dem ich den tiefsten Punkt des Tales hinter mir gehabt hätte und einige Zeit wieder bergauf gegangen sein würde, würde diese Geröllhalde aufhören.

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Und ab und zu musste ich feststellen, dass ich nicht alleine in dieser Geröllhalde war. Allerdings hatten die anderen Anwesenden nicht so einen beschwerlichen Weg, wie ich.

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Endlich ging ich wieder bergauf, auf den Einschnitt zwischen den beiden genannten Bergen zu, leicht schräg, auf den Bach zugehend, sodass nach einer Weile die Schuttberge aufhörten, und es angenehmer wurde mit dem Laufen.

An dem Bach angekommen, machte ich erst einmal eine Kekspause. Und auch die Kamera musste wieder ausgetestet werden, denn inzwischen war der Himmel fast ganz blau und die karge Bergwelt um mich herum hatte na klar was.

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Dann ging es, immer den Bach in der Nähe, langsam aber stetig bergauf und durch den Einschnitt zwischen dem Vuovres und Gähppo durch. Hinter diesem Einschnitt zeigt sich links dann ein wahnsinnig toller Ausblick über den Pietsaure und dem See, an dem auch, wenn auch weiter im Osten noch, Saltoluokta liegt.

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Und da der Himmel inzwischen einfarbig blau war, war die Aussicht wirklich bombastisch. Obwohl ich eigentlich weiter gerade aus, also nach Ost-Süd-Ost wollte, bog ich hart links ab. Das musste ich mir näher ansehen. Auf einer ebenen Fläche, die leicht wiederzufinden war, legte ich den Rucksack ab und ging erst einmal, nur mit der Kamera bewaffnet, Richtung Abhang, der hinunter zum Pietsaure führte. Direkt oberhalb am Abhang, auf einer kleinen Anhöhe, machte ich Rast für ein Fotoshooting. Wow – was für eine Aussicht. Ich schaute mich weiter um. Wenn man die Nordostflanke des Gähppo hochgehen würde, müsste die Aussicht noch bombastischer sein. Schnell ging ich zurück zu meinem Rucksack, suchte mir in der Nähe, wo auch ein Bach war, ein Zeltplatz, baute das Zelt auf, schüttete mal wieder meinen Müll-Tagesrucksack aus, packte die Wasserflasche und eine angefangene Keksrolle ein, nahm die Kamera und machte mich auf, den Gähppo zu besteigen. Unterwegs traf ich noch ein paar kauende Rentiere, die aber nur kurz aufsahen, und als sie feststellten, dass wieder nur so ein blöder Tourist hier längs läuft, gleich wieder weiter Graf rupften. Wenn die von meinen Fleischträumen gewusst hätten, hätten sie sicher nicht so unbeteiligt weiter gegrast. Ich kletterte auf das Nordende des Gähppo und fand eine fantastische Aussicht. Wow, wow, wow.

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Der Pietsaure

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Nach längerem Fotoshooting, setzte ich mich mit meinen Keksen und er Wasserflasche einfach da hin, genoss die Aussicht und ließ meine Seele kräftig baumeln. Da war echt toll hier oben.

Es dauerte lange, bis ich mich langsam wieder aufmachte, zu meinem Zelt zu kommen. Der Himmel sah immer noch blau aus. Sollte das morgen auch so werden, würde ich einen fantastischen Tag erleben. Denn mindestens den ganzen Tag würde ich über die Hochebene laufen, was zwangsweise in das Tal eine tolle Aussicht bringen würde. Sehr zufrieden kroch ich in meinen Schlafsack, auch wenn mir bewusst war, dass diese Nacht der Sommerschlafsack wieder an seine Grenzen stoßen würde.

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24. August

Bereits kurz nach Sieben bin ich heute wach geworden. In der Nacht habe ich etwas gefröstelt, aber als ich richtig wach wurde, spürte ich schon, wie die Sonne mein Zelt regelrecht aufwärmte. Wo Sonne auf ein Zelt scheint, können keine Wolken sein. Voller Erwartung machte ich das Zelt auf, um nach draußen zu schauen. Mehrmals musste ich mit den Augen zwinkern, da ich dachte, ich hätte dort einen Blaustich in meinem inneren Farbsensor. Wow. So ein intensives Blau sieht man wirklich selten.

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Ich kroch aus dem Schlafsack, um die Temperatur außerhalb des Zeltes zu prüfen. Die Sonne wärmte die Luft richtig toll auf. Im Schatten würde es sicher noch kalt sein, aber hier war nirgends Schatten. Auch kein kalter Wind wehte. Ich holte mein Waschzeug aus dem Zelt und legte heute mal wieder, statt der üblichen Katzenwäsche eine gründliche Waschung ein. Auch wenn das Wasser sehr kalt war, machte die Sonne das dann alles wieder wett. Herrlich. Und nicht einmal ein Rentier in der Nähe, das, wie sonst, spannte.

Dann wurde in aller Ruhe Frühstück gekocht, gegessen und gepackt. Aber trotzdem kam ich erst einmal nicht weg von hier. Das Wetter war zu toll, die Aussicht einfach umwerfend, und auch wenn ich schon gestern wirklich tolle Fotos gemacht hatte, musste ich doch noch einmal meine Kamera greifen und hier einen kleinen Rundgang durch die Gegend machen. Es ging nicht anders. Tja – so was es doch schon wieder elf Uhr, als ich mich doch noch von diesem Ort losreißen konnte.

Erst einmal ging es relativ locker leicht bergauf. Das Geländer war trockenes Steppengras mit Steinen durchsetzt. Schnell kam ich aber trotzdem nicht voran, da ich immer wieder, schnell mal so zwischendurch, meinen Rucksack ablegen musste und mit meiner Kamera um mich herum zu fotografieren und um einen Abstecher Richtung Nord/Ost, in Richtung, wo man in das Tal des Pietsjaure, und des Sees nördlich von ihm, an dem auch Saltoluokta liegt, sehen konnte, um dort zu fotografieren. Der Himmel sah ja schon blau aus, aber das blau der Seen war noch viel intensiver. Einfach super. Dass gerade hier, wo ich über die Hochebene, mit der tollen Aussicht, so ein bombastisches Wetter war, war wirklich nicht nur die Sahne auf der Torte, sondern noch zusätzlich die Kirsche auf der Sahne.

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Bald kam ich auf eine ebene Fläche (auf der Karte links davon, wo die Höhe 1256m angegeben ist), die auch gleich wieder sehr sumpfig wurde, gleichzeitig lagen hier eine Menge Felsbrocken herum, so dass das Gehen doch recht mühsam wurde. Bei schlechtem Wetter, in einer Wolkenwand möchte ich hier nicht längs gehen.

Ich kam an einer Stelle vorbei, wo es steil nach unten ging. In einer Wolkenwand wäre das hier wohl nicht so lustig gewesen. Etwas zu weit nach links, und …....

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Nach der Ebene ging es wieder aufwärts. Der Vorteil war, es war, da hier Wasser abfließen konnte, nicht mehr sumpfig. Aber jetzt lagen nicht mehr Felsbrocken so herum, sondern es war durchgehend Geröll angesagt. Ein Tanz auf unzerbrechlichen großen Eiern. Und so ging es eigentlich den ganzen Tag weiter. Geröll, Geröll, Geröll.

Na ja. Ich machte halt öfters Pause, stopfte die Speicherkarte der Kamera weiter voll und genoss die wirklich wahnsinnige Aussicht.

Kurz bevor es aufwärts, um, durch einen Pass, zwischen dem Bivttjatjahhkå und dem Tjiraktjåhkka zu kommen, traf ich noch einmal an einem Bach. Nach einigem suchen fand ich einen Platz, der nicht ganz so steinig war und baute dort mein Zelt auf. Ich schaute mich um. Um mich herum nur Steine und Geröll – und eine fantastische Aussicht in Richtung Pietsaure. Viel einsamer konnte es auf dem Mars auch nicht aussehen.

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Mit mir und der Welt zufrieden holte ich mir Wasser vom Bach und kochte mir mein Abendessen. Mit vollem Bauch machte ich mich, mit meiner Kamera bewaffnet auf den Weg und drehte eine langsame Runde hier in dieser Steinwüste. Hier konnte man wirklich das Gefühl bekommen, alleine auf einem fremden Planeten zu sein. Ach – so lange dieser fremde Planet Wasser hat, war alles o.k.

So einsam – und doch sollte das hier schon meine vorletzte Nacht im Zelt sein. Für dieses Jahr. Als mir das im Schlafsack einfiel, versuchte ich schnell an etwas anderes zu denken.

25. August

Da der Schlafsack in der Nacht wieder eindeutig an seine Grenzen gekommen war, freute ich mich am Morgen schon auf die Sonne, die mein Zelt wieder aufwärmen würde. Allerdings passierte, als die entsprechende Zeit kam, nichts. Keine Sonne, die auf mein Zelt schien. Irritiert, da die kalte Nacht auf klaren Himmel wies, schaute ich aus dem Zelt. Der Himmel war tatsächlich blau, allerdings standen die beiden Berge, die östlich von mir standen und zwischen denen ich heute Richtung Kungsleden wandern wollte, der Sonne im Wege. Ich schaute hinter das Zelt. Die Schattengrenze zwischen Sonne und dem Schatten, in dem ich lag, war nicht mehr weit weg. Schätzungsweise in 15 Minuten, wurde die Sonne hoch genug stehen, um mein Zelt aufzuheizen. Ich kroch zurück ins Zelt, kuschelt mich in meinen Schlafsack und übte mich in Geduld. Kurz darauf wurde es sonnenhell im Zelt, da die Sonne direkt auf mein Zelt schien. Schön angewärmt kroch ich aus dem Schlafsack und dem Zelt. Die Sonne wärmte sehr schön. Ich holte mir mein Waschzeug und ging zum Bach zu einer Stelle, die auch schon in der Sonne lag und wusch mich gründlich. In den direkten Sonnenstrahlen war das Waschen richtig angenehm. Dann holte ich mir Wasser und kochte mir mein übliches Frühstück und genoss die Aussicht.

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Dann das Übliche. Packen, ab und zu einfach nur in die Landschaft schauen und die Aussicht genießen, wieder etwas entdecken, was man noch einmal schnell fotografieren musste, und weiter packen. Irgendwann war ich auch dann wieder fertig und machte ich bergauf, zwischen den beiden Bergen, an dem Bach längs, der von dort herunterkam, wie auf dem folgenden Foto zu sehen ist.

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Im Grunde war es egal, ob links oder rechts vom Bach zum Kamm ging, aber ich entschied mich für die rechte Seite, da die Geröllhalde dort nicht ganz so eierich aussah.

Oben angekommen gab es einen beeindruckenden Eindruck auf den Sitojaure. Das war mal wieder ganz großes Kino.

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ch machte erst einmal eine ausgiebige Fotoshootingpause. Dann machte ich mich auf, am Südhang des Tjiráktjåhkkå nach Osten zu gehen. Es war eine steinige Angelegenheit, voller Geröll. Als ich an eine Stelle kam, die, wenn auch schräg, doch aber eben, aus kleinen Steinen, freute ich mich, da ich dort schneller vorwärtskommen würde. Doch weit gefehlt. Die kleinen Steine begannen unter mir zu rutschen. Schnell verließ ich wieder diese Stelle und eierte wieder über die großen Steinbrocken. Die ruhten wenigstens auf ihrem Platz. Mehrmals schaute ich den Hang hoch, zum Gipfel.

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Ich ärgerte mich, dass ich nicht den kürzeren Weg, direkt über den Gipfel genommen hatte. So steil wäre es nicht gewesen, und die Aussicht musste von da oben noch bombastischer gewesen sein, Erstrecht in die Richtung, aus der ich gekommen war, über die Landschaft der Hochebene, die ich in den letzten zwei Tagen durchschritten hatte.

Schade, nun war es zu spät. Also ging ich weiter, bis ich dann langsam wieder in ein neues Tal bergab ging. Es war schrecklich. Auch wenn die Aussicht, ganz besonders Richtung Süden, bombastisch war, konnte man Richtung Osten schon den Kungsleden erahnen. Es ging bergab, an einem neuen Fluss längs. Klares Wasser, tolle Aussicht. Kekspause. Und während der Kekspause gemütlich, ohne Rucksack, durch die Gegend latschen und traumhafte Fotos schießen.

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Nach der Pause überquerte ich den Fluss, da ich am rechten Ufer, die Südseite, weiter gehen wolle. Unten im Tal, kurz vor dem Kungsleden musste ich noch einmal einen Fluss durchwaten. Der Fluss, an dem ich jetzt längs ging, mündete ihn diesen Fluss und floss dann mit dem Fluss, der schon unten, von Süden kommend, auf mich wartete, weiter, nach Norden. So musste ich nur den Fluss, der unten im Tal von Süden nach Norden Fluss, ohne das Wasser, was hier herunterfloss, durchwaten. Aber das war erst eine Planung für morgen. Heute wollte ich noch nicht auf dem Kungsleden landen. Ich genoss also die tolle Aussicht und ließ mir viel Zeit beim Abstieg. Kurz nach der Stelle, an dem sich mein Fluss in drei Arme aufteilte, suchte ich mir einen Zeltplatz, für meine letzte Nacht im Zelt, in diesem Jahr.

Nach dem Abendessen nahm ich meine Kamera und wandelte langsam durch die Gegend. Auch wenn ich kaum Fotos schoss, bummelte ich, bis die Sonne unterging, durch die Landschaft, unterhielt mich noch mit zwei Rentieren, die in der Nähe grasten, und genoss ganz bewusst, mit einer Menge Wehmut, diesen letzten Abend in der Wildnis.

Irgendwie kroch ich mit etwas bedripster Stimmung in den Schlafsack. Die letzte Nacht. So schnell ging das.

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26. August

Am nächsten Morgen machte ich mich dann zu meiner letzten Wanderstrecke, nach kurzem Waschen und Frühstücken, auf. Ich ging weiter bergab, dabei mit etwas mehr Abstand zum Fluss, da dort das Geländer besser aussah, und kam dann an den erwarteten Fluss, der mich noch vom Kungsleden trennte. Dieser Fluss war zwar der tiefste, den ich bisher in diesem Jahr durchwaten musste, allerdings floss er so langsam, dass man das an der Oberfläche nur sehen konnte, wenn langsam ein Blatt vorbei trieb. Das Wasser war klar und man konnte einen ebenen Kieselsteingrund sehen. Trotzdem ging ich, aus alter Gewohnheit, erst einmal ohne Stiefel und Kamera durch den Fluss. Das Wasser schien mir richtig kalt, was mir bisher bei Flusswatungen dieses Jahr gar nicht so bewusst geworden war. Aber trotzdem ging ich noch einmal zurück, um auch meine Stiefel und Kamera zu holen. Wieder an meiner Zielseite angefangen, fing es leicht an zu regnen. Wow. Das war ich ja nun gar nicht mehr gewohnt.

Bei leichtem Regen, der wirklich nur sehr leicht war, ging ich schräg auf den Kungsleden zu, der dann auch bald, unübersehbar vor mir auftauchte. Auch die Rentiere, die ich traf, benahmen sich endlich auch wieder, wie es sich für Rentiere gehörte. Kam ich ihnen näher, verzogen sie sich, manchmal langsam, manchmal schnell, aber doch so, wie es sich für Rentiere gehörte.

Nach meinen tollen Wanderstrecken im Sarek, war der Kungsleden richtig eine Tortur. So ausgewaschen und steinig, wie er war, ging ich, wenn möglich lieber neben dem Kungsleden, statt auf ihm. Die Holzbohlen waren sicher ganz praktisch, wenn sie mal über etwas sumpfiges Gelände gelegt waren, aber eigentlich nun wirklich nicht notwendig. Und bei Bächen, die man mit einem Schritt überschreiten konnte, lagen auch Bohlen. Man war halt schon fast wieder in der Zivilisation.

Ich näherte mich gerade der Schutzhütte Autsutvagge, als von Saltoluokta eine größere Gruppe mir entgegen kam, die aber komplett bei der Hütte abbog, um dort Pause zu machen. Ich wusste wie groß, bzw. wie klein die Hütte war, und war verwunderte, wie immer mehr Leute in die Hütte gingen, wenn auch manchmal mit einem leichten Stau vor der Tür, ohne dass jemand im Gegenzug herauskam, oder die Hüttenwände, durch die zu große Dichte im Inneren, nach außen explodierten.

Ich ließ die Hütte Hütte sein und ging ohne Pause weiter, bis ich am nächsten Bach kam. Dort gönnte ich mir eine größere Kekspause. Links von mir tauchte dann bald der Pietsaure auf und neben dem See erhob sich der Lulep Gierkav. Auch die Abbruchkante, wo es herunter nach Saltoluokta ging, war bald zu sehen. Allerdings schien der Weg bis dahin immer länger zu werden. Ich mochte noch nie den letzten Tag einer Wanderung und dieses Jahr war es nicht anders. Das Gefühl, „der Weg ist das Ziel“, ist irgendwie weg, weil man an diesem letzten Wandertag, entgegen den anderen Tagen, doch ein Ziel hatte. Dieses, wirklich irgendwo ankommen wollen, störte mich, aber das konnte ich noch nie abschalten. So eben auch nicht dieses Jahr.

Irgendwann erreichte ich die Abbruchkante und ging den steilen Weg, der sehr steinig und eierich war, nach Saltoluokta. Hier war es das allererste Mal, dass ich wirklich extrem mein rechtes Knie spürte.

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Unten in Saltoluokta angekommen, gönnte ich es den anderen, dass ich mit sauberen Strümpfen zum Empfang ging. Ich bekam einen Raum in der „Gamla Station, richtete mich dort ein und ging dann erst einmal zum Serviceraum um eine runde Duschen durchzuziehen. Danach gab es, in sauberen Klamotten, ein Pastaabendessen. Danach holte ich mir aus der kleinen Bibliothek von Saltoluokta ein Buch und setze mich vor das Feuer des Kamins, las und ließ die Wanderung noch mal im Kopf vorbeiziehen. Schon alles wieder vorbei. Mist.

Den nächsten Tag beschäftigte ich mich viel mit lesen, teilweise draußen, teilweise vor dem Kamin und ich machte noch eine kleine Runde dort, bewaffnet mit der Kamera.

Dann am Tag darauf, ging es dann mit der Fähre über den See nach Kepnats. Kurz nachdem wir dort angekommen waren, kam auch schon der Bus. Allerdings durften wir nicht einsteigen, der Bus war voll und der Fahrer erklärte uns, dass ein Ersatzbus schon unterwegs war, was zu den ersten nervösen Zuckungen bei einigen Leuten führte, da sie befürchteten, den Anschlusszug in Gällivare zu verpassen.

Nach einer halben Stunde kam dann aber auch der Ersatzbus, aber dort durften wir erst einmal auch nur unser Gepäck in die Gepäckfächer verstauen, wir selbst durften erst einmal nicht in den Bus einsteigen. Die Fahrerin bastelte eine Viertelstunde lang an dem Fahrticketschalter herum, bis sie irgendwann aufgab und uns in den Bus ließ. Bezahlen durften wir nicht, da sie keine Tickets drucken konnte. Ohne Tickets wollte die Fahrerin auch kein Geld annehmen.

Um die Verspätung aufzuholen, jagte sie dann über die Straße. Die, die den Anschlusszug in Gällivare erreichen mussten, schienen ihn auch noch bekommen zu haben. Zumindest stiegen sie, auf die Uhr schauend, sehr entspannt aus dem Bus und gingen in aller Ruhe zum Bahnsteig. Die Zuganzeige war allerdings kaputt, sodass niemand sehen konnte, ob wirklich ein Zug kommen würde, oder, wie vor 2½ Wochen, die Strecke noch gesperrt war. Mir war es heute sowieso egal, denn ich wollte heute ja nur bis zum Campinglatz Gällivare um dort ein Bett im Vandrarhem zu finden. Das Vandrarhem war allerdings nicht „ledig“, so mietete ich mir die kleinste Hütte auf dem Campingplatz.

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Nach dem Einrichten in der Hütte ging ich erst einmal einkaufen, um endlich einmal etwas anderes als Pasta zu essen. Hier in Gällivare verbrachte ich dann noch den nächsten Tag, besuchte das Museum, schaute am Bahnhof vorbei, ob die Züge wieder fahren würden, und macht ansonsten einen ruhigen Bummeltag.

Am Tag darauf ging es dann zum Bahnhof, der Zug kam, in Boden klappte das Umsteigen, ohne irgendwelche Verspätung, auch in Stockholm fuhr der Zug diesmal pünktlich ab und kam sogar pünktlich in Kopenhagen an. Dass, wie bei den ICEs der Deutschen Bahn, die Klimaanlage nicht funktionierte, war nicht ganz so schlimm, da es draußen ja keine 30°C waren, obwohl auch ohne die heißen Temperaturen, die Luft stickig wurde, da die Fenster ja nicht zu öffnen gingen. Die dänische Staatsbahn machte die Sache noch einmal interessant, da es einen technischen Defekt gab und der Zug daher nicht so schnell fahren konnte, wie er sollte. Dadurch erreichten wir die geplante Fähre nicht, mussten eine Fähre später nehmen und erreichten Lübeck ungefähr mit 30 Minuten Verspätung, was mir aber relativ egal war, da ich hier ja auf keinen Anschlusszug angewiesen war, sondern nur noch nach Hause zu gehen hatte, um dort erst einmal zu duschen. Da schaffte ich dann auch.


Fazit von dieser Wanderung. Sie war toll gewesen, nur eindeutig zu kurz. Den Aufenthalt, so nach 15 Tagen Wanderung in Saltoluokta habe ich genossen, aber anstatt dann, nach einem Tag Pause dort, mit der Fähre zur Bushaltestelle zu fahren, hätte ich gerne noch einmal zwei Wochen dort oben meine Runde gedreht


http://www.christian-ernst.org/

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Bessy
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Re: Einmal durch den Sarek 2013 Teil 2

Beitrag von Bessy »

War wieder begeistert von Teil 2 deiner Sarek-Wanderung. Du warst fast 2 Wochen unterwegs kaum welche getroffen, ausser brave Rene. Manche Menschen fragen sich, wieso nimmt man solche Strapazen auf sich. Aber sie wissen nicht, wie schön die Weite und Ruhe im Fjäll ist. Ich beneide dich für solche Touren und erfreue mich an deinen schönen Bilder und die Erzählung.


Gruß Bessy :puppy:

maggan
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Re: Einmal durch den Sarek 2013 Teil 2

Beitrag von maggan »

Danke Erny, schöner Bericht und tolle Fotos! Letztes Jahr war ich in Lappland und wir haben nur eine kurze Wanderung geschafft, da meine Begleitung sich geich am Amfang eine Bänderdehnung geholt hat. Zum Glück waren wir in der Zivilisation und sie bekam Hilfe. Aber was macht man, wenn man so wie du ganz alleine Unterwegs ist und es passiert was?
Gruß, maggan


Besser als Jahre der Unwissenheit ist ein Tag der Einsicht

Erny
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Re: Einmal durch den Sarek 2013 Teil 2

Beitrag von Erny »

@maggan

Wenn ich ganz dummbatzig antworten soll, muss ich schreiben, aufpassen, dass gar nichts erst passiert.

Nein, mal ganz ernsthaft. Mir ist eigentlich noch nie was Ernsthaftes passiert. Ein Beinbruch oder so was, wäre sicher eine Katastrophe, bei einer Bänderdehnung müsste man irgendwie weiter humpeln, oder hoffen, dass jemand vorbei kommt.

Aber zu meinem ersten dummbatzigen Satz. Man kann na klar versuchen, das Risiko zu verringern.

Bänderdehnung! Mir sind schon einige Wanderer begegnet, die sind mit einer Art Turnschuhe gelaufen. Ich habe sogar schon mal auf dem Padjelantaleden zwei Mädels getroffen, die waren mit Sandalen unterwegs, und die weißen Socken, die sie anhatten, waren sowieso nicht mehr weiß, und außerdem an den Zehenspitzen rot - und das war kein schlecht getrockneter Nagellack gewesen. Meine Wanderstiefel, die meine Füße schützen, haben nach einer Wanderung auch ziemliche Riefen vorne an der Spitze. Aber eben die Stiefel, nicht meine Zehen.

Ich habe relativ hohe Wanderstiefel (Meindl, Serie Island) die haben ein relativ steifes Leder und gehen bis über die Knöchel. Da muss schon einiges passieren, um eine Bänderdehnung überhaupt zu schaffen. Und sollte man so was doch bekommen, sind das eben auch die richtigen Stiefel, um den geschädigten Bändern zur Not weiterhin einigermaßen Halt zu geben.

Ich laufe nur noch mit Trekkingstöcken (und zwar ein Paar). Die entlasten die Gelenke bei jeden Schritt, und sie bieten viel Halt, wenn man über Geröll geht oder durch einen Fluss. Es ist, auch was die Sicherheit angeht, ein großer Unterschied, ob man über die Stöcke noch zusätzlich das Gleichgewicht (bei Geröll oder bei eine Fluss) erhöhen kann - oder eben nicht. Auch wenn man über eine sumpfige Stelle geht, sind sie eine große Hilfe. Und sollte man sich wirklich eine Bändedehnung einfangen, sind sie sicher auch sehr hilfreich.

Kaufe ich heutzutage neue Teile an der Ausrüstung, stehe ich inzwischen auf knallige Farben. Sollte wirklich mal was ernsthaftes passieren, ist es auf jeden Fall besser, sollte denn jemand zufällig vorbeikommen, dass er dann einen farbigen Fleck, der nicht natürlich ist, auch sieht, und man nicht auch noch gut getarnt irgendwo herumliegt.

Aber wie gesagt, bis jetzt ist mir so was noch nicht passiert, wobei, wie bei vielen Sachen, eben auch eine Routine dazukommt. Was auch gedeutet, dass ich mir durchaus auch anmaße, wenn ein Gelände etwas haarig wird, eben entscheiden zu können, ob man da heil durch kommt, oder man doch lieber einen Umweg macht.

Apropos Umweg. Auch eine Regel von mir. Wenn ich, wie z.B. 2013,2015 und 2017, in Saltoluokta die Wanderung beende, plane ich immer in Saltoluokta noch zwei Übernachtungen ein und zwei Übernachtungen in Gallivare. Was eben auch heißt, dass, sollte die Wanderung länger dauern, da ich aus irgendeinem Grunde nicht schnell genug vorwärts komme, ich noch Luft habe und nicht in Stress gerate. Ich kann also alles immer in Ruhe machen, ohne aus Zeitgründen vielleicht ein Risiko einzugehen.

2014 bin ich über einen Umweg von Katterat nach Abisko gewandert. Das war von der Route her ein etwas unförmiges und breites U. Wobei das U unten ein bisschen ausgebeult war.Oben links bin ich angefangen, und oben rechts habe ich Schluss gemacht. Nur dass das U bisschen mehr in die Breite ging und etwa unförmiger war. (Ich stell mal die Route als Foto hier rein.)

Bild

Als ich am südlichsten Punkt des U´s ankam, das war von Westen kommend, zwischen Singi und Sälkas auf den Kungsleden stoßend, war das der Punkt um zu sehen, wie viel Zeit ich noch habe. Geplant war, und das habe ich dann auch so gemacht, über den Stuor Reaiddávággi noch weiter nach Osten bis zum Vistastal, dort dann nach Norden und wieder nach Nordwesten, um bei Alesjaure auf den Kungsleden zu kommen.

Hätte ich, aus welchem Grund auch immer, bevor ich zwischen Singi und Sälkas auf den Kungsleden gestoßen bin, bei der Wanderung zu viel Zeit verbraucht, hätte ich nicht mehr den Umweg über das Vistastal gemacht, sondern hätte, auf dem Kungsleden, einen Durchmarsch nach Norden, zur Abisko Turiststation gemacht. Und trotz meines Umweges habe ich dann noch drei Mal in Abisko übernachtet. Ich hatte also wirklich viel Zeit eingeplant.

Ich versuche also immer, nicht auf den letzten Drücker am Ziel anzukommen, sondern plane ein paar Tage Spielraum ein. Auch das bringt Ruhe, und damit auch Sicherheit, ins Geschehen.

PS: Und auch wenn ein Restrisiko bleibt, man kann auch auf der Straße überfahren werden, oder auf dem Fußweg, was mir auch schon mal fast passiert wäre. Also, ich hatte meine Unfälle oder Fastunfälle eigentlich meistens in der Zivilisation.


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