Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

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Karsten
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Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von Karsten »

Die Hälfte von Schwedens jungen Müttern strebt ein Dasein als Hausfrau an. Das zeigt eine Umfrage unter den Mitgliedern der Internetseite familjeliv.se. Demnach ist der Wunsch nach einer Vollzeitbeschäftigung im klassischen Sinne bei Müttern zwischen 18 und 29 Jahren am ausgeprägtesten.

Doch auch bei den 30- bis 44-Jährigen sprechen sich 40 Prozent dafür aus, lieber zu Hause zu bleiben anstatt zu arbeiten, wenn sie die Chance dazu hätten. Mögliche Ursachen könnten dem Schwedischen Fernsehen zufolge die schlechten Aussichten für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt sein sowie das Bild des glamourösen Luxus-Weibchens aus TV-Serien wie „Desperate Housewives“.

(Quelle: Radio Schweden)



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goteborgcity
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Re: Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von goteborgcity »

Allerdings ist diese Untersuchung nicht gerade wissenschaftlich, denn die Umfrage wurde an 70.000 Mitglieder der Site familjeliv.se geschickt, eine Site, die nicht gerade die Durchschnittsschwedin liest. Von den 70.000 Mitgliedern der Site haben dann 9500 Personen geantwortet und davon haben sich dann 40 Prozent für ein Hausfrauendasein ausgesprochen. Wer die Site familjeliv.se aufschlägt, wundert sich vermutlich auch nicht übder das Ergebnis der Umfrage.


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karl69
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Re: Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von karl69 »

Meiner Meinung nach, sind die Frauen in Schweden durch die Politik jahrelang in eine Ecke gedrängt worden, in die viele von ihnen eigentlich gar nicht reinwollen.
Meine schwedische Frau hat in Deutschland drei Kinder zuhause großgezogen und möchte keinen Augenblick dieser Zeit missen.
Dafür muss sie sich in Schweden beim lokalen Arbeitsamt rechtfertigen und sich anhören dass "deutsche Familienpolitik die Frauen schlechter stellt" (sinngemäß).
So als ob die Arbeit zuhause und die Erziehung der Kinder minderwertige Aufgaben wären...

Vielleicht sollte man einfach mal den Frauen selbst überlassen, wie sie ihre Mutterschaft gestalten und ihnen nicht ständig dogmatisch feministisch reinreden und ihnen ein schlechtes Gewissen einbläuen, wenn sie nicht so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen, sobald die Kinder im Krippenalter sind.

Karl



goteborgcity
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Re: Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von goteborgcity »

Hej Karl,

auch wenn Frau + Mann gemeinsam entscheiden sollen in dieser Frage, so bedeutet das in Schweden eine erheblich geringere Rente für die Frau und ein Abhängigkeitsverhältnis vom Mann. Es geht dabei nicht nur um Feminismus, wobei in Schweden diese neue "Bewegung" über das Fernsehprogramm der Hollywoodfrauen auftauchte und ich denke nicht, dass dieses Bild keine freie, unabhängige und selbstbewusste Frau darstellt. Du musst daher das Ganze von schwedischer Warte und in seiner Gesamtheit betrachten.

Ich möchte jetzt nicht einmal so weit gehen und fragen, warum nicht der Mann dann die Hälfte zu Hause bleibt, die Kinder erzieht und den Haushalt macht, denn das wäre für die Kinder vielleicht die beste Lösung.

Grüsse aus Göteborg

Herbert


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karl69
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Re: Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von karl69 »

goteborgcity hat geschrieben: Ich möchte jetzt nicht einmal so weit gehen und fragen, warum nicht der Mann dann die Hälfte zu Hause bleibt, die Kinder erzieht und den Haushalt macht, denn das wäre für die Kinder vielleicht die beste Lösung.
Obwohl Du nicht fragst, antworte ich trotzdem mal :)

Dein Vorschlag ist natürlich vollkommen korrekt. Leider scheitert es daran dass die Männer immer noch mehr Geld verdienen als Frauen. Dort muss die Politik ansetzen.

Im übrigen, warum sollte die Erziehung der Kinder nicht genauso "rentenfähig" sein, wie jede andere Arbeit die ein durchschnittliches Einkommen generiert?

Ich finde, dass vor lauter Bevormundung durch die Politik (und das nicht nur in dieser Sache) den Frauen (und Männern) eher die Entscheidung auf vielen Ebenen genommen wird und die, die sich für eine andere Alternative entscheiden, sehen sich einer gewissen Diskriminierung ausgesetzt.

VG

Karl



aStrangeWorld
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Re: Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von aStrangeWorld »

Ob sich schwedische Hausfrauen diskriminiert fühlen, sagt die Umfrage aber nicht (kann ich persönlich auch nichts zu sagen, da ich nur eine schwedische Frau kenne, die mal Hausfrau war). Und Zweifel an der Repräsentativität sind für mich immer noch angebracht...

Mag sein, dass es Karl und seine Frau so empfunden habe, das ist natürlich schade. Was ich nicht verstehe, wo denn die Bevormundung durch den Staat gegeben sein soll?

Ich bekomme nur mit, dass Diskriminierung auch in Deutschland stattfindet, da aber eher anders herum: Die Frauen, die "zu früh" wieder arbeiten, werden schnell als Rabenmütter dargestellt. Erst recht, wenn es nicht nur ums Geldverdienen geht, sondern um anspruchsvolle Positionen. Zusätzlich haben häufig Frauen wie Männer Probleme, Teilzeitstellen zu bekommen; damit bevormundet eben die Wirtschaft die Lebensplanung. Teilzeitarbeit scheint mir in Schweden selbstverständlicher zu sein (zumindest in meinem Umkreis).

Grüße,
Ricarda



annie
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Re: Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von annie »

Das muss eine Umfrage aus dem Schweden frueherer Zeiten sein.

Dort wo wir leben, ist die Arbeitslosigkeit auf dem Papier auch nicht so schlimm.
Die Realität sieht jedoch so aus, das Frauen immer schlechter einen "normalen" Job bekommen. Viele von ihnen tauchen in keiner Statistik mehr auf, sie sind "zu lange raus"( "die Alten" )
oder waren nie im Arbeitsleben ( die Jungen).
Aus meiner Sicht bewegt sich zur Zeit alles in die gleiche Richtung wie in Deutschland.
Also Fazit - "Hausfrau" weil keine Arbeit!
Und das ist kein ausschliesliches Problem der "Unterbemittelten".

das meint dazu Annie



Wuschi
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Re: Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von Wuschi »

Zitat:"Im übrigen, warum sollte die Erziehung der Kinder nicht genauso "rentenfähig" sein, wie jede andere Arbeit die ein durchschnittliches Einkommen generiert?"

Das hatten wir auch schon einmal 40 Jahre lang. Meine Mutter als auch meine Schwiegermutter bekam bei ihren Renten die Erziehungszeit der Kinder (5 und 6 Kinder) angerechnet. Allerdings nicht in der Bundesrepublik, sondern in der DDR.

Ist dann bei der Wiedervereinigung nicht übernommen worden. :(

Gruß

Wuschi



goteborgcity
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Re: Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von goteborgcity »

Hej Argus,

es geht bei dieser sehr subjektiven Meinungsumfrage eigentlich weniger um einen Gesellschaftswandel, der ohnehin seit der Urzeit permanent abläuft, sondern mehr darum, dass die privaten Fernsehstationen in Schweden das (reiche) Hausfrauenleben in Luxus immer mehr propagieren. Es werden bei Sendungen wie "Hollywoodfrauen" gesellschaftliche Möglichkeiten nahe gebracht, die für den Normalbürger nie erreichbar sind, aber zum Traum werden. Wenn man daher die Konsequenz sieht, so bedeutet dies eigentlich, dass eine Frau nur einen sehr reichen Mann heiraten soll, damit sie sich den erwünschten Luxus (und das entspannte Hausfrauenleben) leisten kann. Gefühle spielen dabei keine Rolle mehr. Es geht heute nicht mehr um die Hausfrau, wie sie vor 50 Jahren existierte, sondern eine moderne Hausfrau.

Allerdings muss man auch die Gesellschaftsstrukturen der einzelnen Länder betrachten, denn das Kinderkrippen- und Kindergartensystem in Schweden ist extrem gut ausgebaut. Eine Hausfrau schickt hier ihre Kinder ja dennoch in den Kindergarten (was für die Entwicklung der Kinder sehr positiv ist) und sie kauft dennoch Fertigessen und steht nicht mehr stundenlang am Herd. Selbst die Putzfrau wird von Steuerersparnissen bezahlt. Man sollte sich daher (in Schweden) vielmehr fragen wie der Begriff Hausfrau definiert wird, denn Tatsache ist natürlich, dass dies zu sehr viel Freizeit führt und auch zu einem höheren Bedarf an Kapital, das dann der Mann beschaffen muss.

Der Wunsch nach einem Hausfrauendasein - der Kinder wegen - hat zudem den Nachteil, dass damit jede berufliche Ausbildung für Frauen sinnlos wird, da man nach einer Unterbrechung von, sagen wir 10 Jahren, ohnehin nicht mehr in seinen alten Job zurückkehren kann. Die Befreiung und Gleichbehandlung einer Frau wird daher in mittelalterliche Verhältnisse zurückgeführt. Ich denke, dass dies heute eigentlich niemand mehr will ... aber wenn der Ehemann genügend verdient, genügend besitzt und ein sehr guter Ehevertrag besteht, so steht dem modernen Hausfrauendasein natürlich nichts im Wege.

Grüsse aus Göteborg

Herbert


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goteborgcity
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Re: Neues schwedisches Modell - Kind, Küche, keine Karriere

Beitrag von goteborgcity »

Hej Argus,

zu ”Hartz 4” kann ich leider nicht viel sagen, weil ich nicht weiß, wie die Bedingungen in Deutschland aussehen. Hier in Schweden bekommt man jedenfalls nicht so einfach Sozialhilfe, sondern man muss belegen, dass man ernsthaft nach Arbeit sucht und man muss bereit sein egal wohin in Schweden umzuziehen. Hinzu kommt, dass man zwangsweise an Eingliederungsmaßnahmen teilnehmen muss. Gut, Drogenabhängige und Alkoholiker sind davon ausgenommen, wobei ich mich allerdings manchmal frage, wie diese beide Gruppen an Geld für Drogen und Alkohol kommen …

Wenn Du in Schweden durch die Geschäfte gehst, so findest Du natürlich auch alles für die traditionelle Küche, aber wenn man zweimal hinschaut, so wachsen die Kühltruhen mit Fertiggerichten in erschreckendem Masse, von den Fertigpackungen für Soßen, Waffeln, Kuchen usw. ganz abgesehen. Ist natürlich auch verständlich, denn außer am Wochenende bleibt bei vielen Haushalten nicht viel Zeit zum Kochen und die Kinder essen in der Schule. Aber das ist vermutlich nicht typisch schwedisch, sondern überall so. Kochen und Essen muss schnell gehen...

Natürlich wäre es möglich, auch nach einer längeren Pause, wieder in den Beruf zurückzukehren, so wie es möglich wäre, dass bei der Kindererziehung Mann und Frau eben die Rollen tauschen, aber unsere Gesellschaft ist noch weit davon entfernt dies zu akzeptieren. Arbeitgeber gehen schon nach drei Jahren Pause davon aus, dass man seine Kenntnisse vergessen hat oder eben dem Stress nicht mehr gewachsen sei. Irgend eine Ausrede gibt es immer. Und dass Männer sich mehr um Kinder kümmern, das ist zwar in Schweden im Kommen, aber wenn man die Statistik betrachtet, so ist es einfach die Minderheit und auch da findet man immer eine Ausrede.

Grüße

Herbert


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