Roadtrip im Winter

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Tamino1
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Roadtrip im Winter

Beitrag von Tamino1 »

Hallo zusammen,

ich bin neu hier, da ich mit googlen nicht wirklich weitergekommen bin. Deshalb dachte ich, ich frage hier einfach mal in der Hoffnung, dass mir vielleicht jemand weiterhelfen kann.

Ich möchte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar 2019 gerne eine Freundin in Umea besuchen, die dort studiert. Länger als 3-4 Tage würde ich allerdings nicht dort bleiben wollen, da ich bis jetzt den Eindruck hatte, dass man dort nicht ganz so viel unternehmen bzw. sehen kann. Mich interessiert vorrangig die wunderschöne raue Natur Schwedens. Habt da eventuell Tipps für Tagesausflüge oder ähnliches?

Nach diesen paar Tagen würde ich gerne ein Auto mieten und ein bisschen vom Rest des Landes sehen. Am liebsten den Norden, vielleicht sogar Lappland, da mich dort die Gewalt der Natur fasziniert. Ich wollte schon immer mal in abgelegene, menschenleere Gebiete reisen und sozusagen 'entführt' werden in eine andere Welt. Jetzt ist allerdings die Frage, ob dies realistisch ist zu dieser Jahreszeit, da es ja sehr kalt und dunkel werden wird. Ich bin leider nicht wirklich erfahren mit diesen Temperaturen und weiß nicht, ob ich mir da nicht zu viel zumuten würde. Außerdem: Lohnt es sich überhaupt da hochzufahren, wenn es die meiste Zeit eh nur dunkel ist und ich nicht viel vom Land sehen kann? Obwohl ich auch unglaublich gerne mal die Nordlichter sehen oder auf einen schwedischen Winter/Weihnachtsmarkt wie in Jokkmokk gehen würde.

Eine andere Alternative wäre in den Süden zu fahren und dort eben mehr Städtetrips zu machen. Auch wenn ich die Natur dem vorziehen würde, wäre es eventuell sinnvoller, da es im Süden ja länger hell ist.

Welche Variante haltet ihr denn in dieser Jahreszeit für realistisch und lohnenswert? Habt ihr selbst mal einen Roadtrip zu dieser Jahreszeit gemacht und eventuell Tipps für mich? :Flagge2:

Ich wäre sehr dankbar für jede Hilfe!! :D



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Ulf h
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Re: Roadtrip im Winter

Beitrag von Ulf h »

... Nordschweden im Winter ist schön aber hart, es bedarf einiger Vorbereitungen, damit es Spass macht ... ich hoffe, dass ich im kommenden Winter zum vierten mal hinkomme ... ich bin mit dem eigenen Wohnmobil unterwegs ... auch in 4 Wochen nördlich vom Polarkreis im Februar ist mir nicht langweilig geworden ...

- warme Klamotten, am besten in mehreren Schichten ... fast alles kann man zusammenimprovisieren, ausser Schuhen ...
- Spikesreifen aufm Auto ...

...die Einheimischen sind begeisterte Wintercamper ... mitm Wohnwagen direkt am Skihang kampieren und bei minus 25 Grad grillen findet von denen keiner seltsam ... Alpinski und Snowboard an wenigen, relativ kleinen Hängen ... kilometerlange, zum Teil beleuchtete Langlaufloipen ... Schneeschuhlaufen, wo und wie weit man will, oder es die Kondition hergibt ... Hundeschlitten fahren in allen Spielarten ... ein viele 100 km langes, zusammenhängendes Netz an Schneemobilwegen, dort ist richtig viel los, wesentlich mehr als mit Motorrädern im Sommer ... Eisangeln ... wenn dein dort studietender Freund davon nichts weiss oder mitbekommen hat, sondern aus lauter Angst vor Dunkelheit und Kälte drinnen hockt, so hat der den meiner Meinung nach besten Teil Norrlands verpasst ... minus 30 ist mir lieber als plus 30, beides durfte ich in diesem Jahr nahe Umeå erleben ... Wetter war vom Schneesturm über Eisregen bis zum strahlenden Wintertag alles dabei, sogar Tauwetter kommt gelegentlich vor ...

... Chancen auf Nordlicht stehen und fallen mit klarem Himmel, bei Wolken hab ich noch keines durchkommen sehen ... wenn klar, dann meist auch saukalt ... ab 60 Grad besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, die Richtung Norden deutlich zunimmt ... küstennah, vor allem in Norwegen ist es oft zu wolkig ... nordschwedisches Fjäll ist nach meiner Erfahrung gut geeignet ... aber das Nordlicht ist eine Zicke, und taucht völlig unberechenbar auf ... fest steht aber, dass wenn man seiner Faszination erliegt, man hinterher einen guten Ofen zum auftauen braucht ... 2 Stunden bei minus 28 Grad mit offenem Mund draussen stehen fordern einfach ihren Tribut ...

... Winter im Süden werde ich kommenden Winter hoffentlich erleben, aber ich erwarte in Küstennähe oft norddeutsches Usselwetter, also nahe Null Grad und Niselregen ... ohne Schnee und mit geschlossener Wolkendecke ists da eher ungemütlich ...

Gruss Ulf


Planung ist dazu da, dass man einen Ausgangspunkt für Änderungen hat ...

montebianco
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Re: Roadtrip im Winter

Beitrag von montebianco »

Puuuhhh - ganz schön viele und vor allem sehr grundsätzliche Fragen, die du da hast...
Aber da wir um die gleiche Zeit in Lappland sein werden (und das in der Vergangenheit auch schon öfters waren), kann ich dir vielleicht ein paar Hinweise geben...

Zunächst das Wichtigste:
Autofahrten im Winter in Schweden können unberechenbar sein. Das kann alles sein vom entspannten Dahingleiten bei strahlendem Sonnenschein und vollkommen freien Straßen bis zur mehrstündigen Zwangspause im Schneesturm; und manchmal auch beides innerhalb einer Stunde.
Das nur als Vorbemerkung, weil es gleichzeitig bedeutet, dass schwierig einzuschätzen ist, wieviel du in der Zeit schaffen kannst (ist ja ein doch eher knappes Zeitbudget...)

Da du z.B. Jokkmokk angesprochen hast - das sind von Umeå aus ca. 400km; das ist mind. ein halber Tag (bei guten Bedingungen), den du da für eine Strecke unterwegs bist. Und einen Weihnachtsmarkt habe ich in Jokkmokk bei unserem letzten weihnachtlichen Besuch dort nicht entdeckt ;-). Was du meinst, ist wahrscheinlich der "vintermarknad"; der ist aber erst im Februar.
Wenn du den Trip von Umeå Richtung Polarkreis (Jokkmokk liegt quasi direkt drauf) trotzdem machen willst, empfehle ich dir auf dem Weg dorthin einen Zwischenstopp am Storforsen in Vidsel - dabei handelt es sich um Skandinaviens größte Stromschnellen; sommers wie winters ein sehr beeindruckendes Erlebnis, insbesondere wenn dich, wie du schreibst, die "Gewalt der Natur fasziniert".

Die von Ulf angesprochenen Fjälls (Hochebenen an der Grenze zu Norwegen) sind im Winter natürlich toll - von Umeå aber auch mind. 300km entfernt (wenn du quasi "grade rüber" fährst); die ganz bekannten Fjäll-Gegenden (Sarek, Padjelanta, Abisko) sind aber einfach mal viel zu weit entfernt, um da in der knappen Zeit was erleben zu können - zumal die Infrastruktur dort nochmal eine ganze Spur spärlicher ausfällt als im Rest vom ohnehin schon strukturschwachen Lappland. "Mal eben schnell" lässt sich in Nordschweden kaum was machen - erst recht nicht im Winter. (Ganz nebenbei: Gerade das ist aber auch das, wofür ich persönlich diesen Landstrich am meisten liebe. Es gibt kaum eine bessere Gegend, um alle Systeme mal runterzufahren und wieder ein Stück Gelassenheit zu lernen).

Grundsätzlich hast du natürlich Recht damit, dass es um den Jahreswechsel die meiste Zeit dunkel (und auch mitunter auch kalt) ist.
Die Kälte würde ich als nicht so großes Problem betrachten - erstens können die Temperaturen sehr stark schwanken; wir hatten um diese Zeit schon alles von +3 bis -23 Grad; auch -35 Grad sind gelegentlich möglich. Aber gegen die Kälte gibt es gute Klamotten. Besonders wichtig sind, wie von Ulf schon erwähnt - gute und absolut wintertaugliche Schuhe (mit genügend Platz, um auch noch 1 oder 2 Lagen dicke Wollsocken anziehen zu können).

Da sind die Mittel gegen die Dunkelheit schon eher begrenzt ;-)
Generell solltest du davon ausgehen, dass du direkt am Polarkreis maximal 3 Stunden Tageslicht hast (wobei dieses zu überwiegenden Teilen aus einer sehr lange andauernden Dämmerung besteht). Je weiter nördlich du kommst, desto weniger wird es; je weiter südlich du bist (Umeå z.B. ;-)), desto mehr wird es. In diese paar Stunden legt der Schwede dann alles, wofür er Tageslicht braucht - sprich: alle Aktivitäten im Freien.
In diesem Zusammenhang muss ich Ulf auch ein wenig widersprechen: Auf die Idee, z.B. Eisangeln zu gehen, kommt um Weihnachten kein Schwede. Generell beginnen die Nordschweden ihre Winter-Outdoor-Aktivitäten im richtig großen Stil eigentlich erst im Februar; dann ist es schon wieder länger hell, die Sonne hat tagsüber schon wieder etwas mehr Kraft - und Schnee liegt mehr als genug :-) Dann geht die große Eisangel-Saison los, und auch die unvermeidlichen Schneemobile sind erst dann in größerer Zahl auf den markierten Skoter-Trails unterwegs.
Das bedeutet aber natürlich nicht, dass du in der Gegend keinen Anbieter findest, der auch in dieser Zeit mit dir eine Schlittehundetour macht oder auf eine Schneeschuhwanderung geht; auch die Abfahrtshänge (oft beleuchtet) haben um diese Zeit natürlich schon geöffnet; Langlaufloipen hingegen findest du dort oben weitaus seltener als zumindest ich erwartet hätte - oft nur in den größeren Ansiedlungen oder in deren näherer Umgebung.

Was vielleicht eine Überlegung wert wäre: von Umeå aus statt noch weiter in den Norden ein Stückchen Richtung Süden zu fahren - zwischen Örnsköldsvik und Härnösand liegt die Höga Kusten, ein landschaftlich ungemein reizvoller Teil Schwedens; was die allerdings im Winter an Aktivitäten zu bieten hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Ein Ausweichen ganz nach Südschweden macht aus oben erwähnten zeitlichen Gründen aus meiner Sicht kaum Sinn. Noch einmal muss ich in diesem Zusammenhang auf die großen Entfernungen in diesem Land hinweisen. Wenn wir von unserer Verwandtschaft in Lappland (Gegend um Arvidsjaur) zurückfahren, sind wir regelmäßig 2 Tagesreisen unterwegs, bis wir die Fähre in Trelleborg erreichen; mehr als 850km pro Tag sind im Winter in Schweden einfach nicht realistisch; bei schlechten Bedingungen wie gesagt gerne auch deutlich weniger.

Zum Autofahren:
Die von Ulf erwähnten Spikesreifen sollten in der Gegend eigentlich standardmäßig auf dem Mietwagen sein; trotzdem drauf achten. "Normale" Winterreifen als Alternative nach Möglichkeit nur in Kombination mit Allradantrieb.
Inwieweit auf Mietwagen Zusatzscheinwerfer ("extraljus") installiert sind, weiß ich nicht - diese sind dort oben und in der langen Dunkelheit extrem hilfreich, um evtl. Elche rechtzeitig zu sehen (und damit das Auto auch noch rechtzeitig zum Stehen bringen zu können). Nicht umsonst haben die Schweden einen Heiden-Respekt vor Begegnungen mit Elchen. Kollisionen mit ihnen gehen nämlich selten gut aus - vor allem nicht fürs Auto (und seine Insassen).
Generell solltest du dir im Klaren darüber sein, dass du dort im Winter mehr oder weniger auf brettharten Schnee- und Eispisten unterwegs bist (es sei denn, es gibt eine länger andauernde Tauwetterperiode - auch die sind um diese Jahreszeit noch möglich). Dementsprechend angepasste Geschwindigkeiten sind erforderlich - ich wiederhole es gerne nochmal: Autofahren im Winter in Nordschweden kostet Zeit :-)

Zum Thema Nordlichter hat dir Ulf ja schon ein bisschen was gesagt. Die sind nicht nur vom Wetter abhängig (klarer Himmer zwingend erforderlich), sondern auch noch von der Sonnenaktivität. Eine "Nordlicht"-Garantie für einen bestimmten Zeitraum gibts also nicht; ich z.B. hab auf insgesamt 4 Nordschweden-Trips bislang erst ein einziges Mal welche gesehen, während meine Frau bei 5 Aufenthalten in der Gegend 3 Mal das Vergnügen hatte...

Für weitere Hinweise wäre es dann doch hilfreich, etwas konkretere Fragen von dir zu haben - die kann ich dir dann aber gerne im einzelnen nach bestem Wissen und Gewissen beantworten.

Soweit - med vänliga hälsningar ;-)

montebianco



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